Kardinal Marx mit vielen Mikrophonen
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Kardinal Marx will in Gemeinschaft mit seinen Amtsbrüdern handeln

"Nicht der Papst von Deutschland"

Das 11-Uhr-Läuten war gerade verklungen, als sich die Tür des Priesterseminars Borromaeum in Münster öffnete. Heraus kam der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: Kardinal Reinhard Marx. Gemeinsam mit seinem Vorgänger, Erzbischof Robert Zollitsch, präsentierte sich der Münchner Erzbischof bei kühlen Temperaturen den mehr als 200 wartenden Journalisten.

Von Steffen Zimmermann |  Münster - 12.03.2014

Am Ende also hatte Marx das mit Spannung erwartete Rennen um den Posten an der Spitze der Bischofskonferenz für sich entschieden - und damit der im Vorfeld am höchsten gehandelte Kandidat. Allerdings war die Wahl des 60-Jährigen durch die Vollversammlung der Bischöfe und Weihbischöfe kein Selbstläufer. Marx selbst bezeichnet seinen Erfolg im vierten Wahlgang als "ehrliche Wahl". Sie habe gezeigt, dass die katholische Kirche in Deutschland über eine ganze Reihe von Persönlichkeiten verfüge, die für solche Aufgaben infrage kämen.

Er sehe das neue Amt als große Herausforderung, betonte Marx. Und verwies in diesem Zusammenhang auch auf seine zahlreichen anderen Ämter. So berät der gebürtige Westfale Papst Franziskus als einer von acht Kardinälen bei der Reform der römischen Kurie. Außerdem leitet er den neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und die Kommission der europäischen Bischofskonferenzen. Wie er das alles schaffen soll? "Ich werde das in den nächsten Tagen gründlich überlegen", so Marx. Er könne aber auch Aufgaben abgeben, kündigte er an.

"Lange Reise durch das katholische Deutschland"

Grundsätzlich sieht sich der Münchner Oberhirte gut für den Vorsitz der Bischofskonferenz gerüstet. Er habe bereits "eine lange Reise durch das katholische Deutschland" hinter sich; dies sei eine gute Voraussetzung für die neue Aufgabe. Marx wurde am 21. September 1953 im westfälischen Geseke geboren. 1979 wurde er zum Priester geweiht, zehn Jahre später folgte die Promotion. 1996 wurde Marx Weihbischof im Erzbistum Paderborn, 2002 Bischof von Trier - mit 48 Jahren war er damals der jüngste deutsche Diözesanbischof. Im November 2007 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. schließlich zum Münchner Erzbischof; drei Jahre später wurde er Kardinal, auch in diesem Kreis war er für einige Zeit der Jüngste.

Eine "Regierungserklärung" wollte Marx vor den Medien so kurz nach seiner Wahl nicht abgeben. Allerdings betonte er seine guten Verbindungen nach Rom und seinen engen Draht zu Papst Franziskus. Durch den seit einem Jahr amtierenden Papst habe die katholische Kirche einen neuen Aufbruch erlebt; dieser müsse nun verstetigt werden. Darüber hinaus sei es wichtig, dass die katholische Kirche in Deutschland einen Beitrag zur Weltkirche leiste, so der Kardinal.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Reinhard Marx einen Einblick in sein Leben gewährt.

Mit Blick auf Deutschland betonte Marx: "Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist nicht der Papst von Deutschland". Er sehe sich vielmehr als Sprecher der Konferenz und als solcher wolle er in Gemeinschaft mit seinen Amtsbrüdern handeln. Die Kirche müsse für den Dialog offen sein und mit einer glaubwürdigen und authentischen Stimme sprechen. In diesem Zusammenhang kündigt Marx an, den von seinem Vorgänger initiierten Dialogprozess fortführen zu wollen.

Mit Marx haben sich die Mitglieder der Vollversammlung für einen Vorsitzenden entschieden, der für die katholische Kirche die Chance eröffnet, aus der medialen Defensive der vergangenen Jahre herauszukommen. Marx ist ein herausragender Rhetoriker, der im Umgang mit den Medien sicher und selbstbewusst auftritt. Zudem gilt er als durchsetzungsstarker "Macher".

Personalie Marx weckt große Hoffnungen

Die Reaktionen der anderen Bischöfe auf die Wahl zeigten deutlich die übergroßen Hoffnungen, die mit der Personalie Marx verbunden werden. "Ich bin gewiss, dass der neue Vorsitzende viel Erfahrung und eine gute Qualifikation für die Bewältigung der zahlreichen und manchmal auch komplizierten Aufgaben des Vorsitzenden mit sich bringt", sagte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker. In einer Zeit, in der die Kirche vor großen Herausforderungen stehe, sei der Vorsitz der Bischofskonferenz eine verantwortungsvolle Aufgabe. Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen zeigte sich davon überzeugt, dass die Bischofskonferenz bei Marx "in guten Händen" sei. Der Münchener Erzbischof sei "höchst kompetent in gesellschaftspolitischen Fragen und vermag komplexe Sachverhalte wortgewandt zu vermitteln".

Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst äußerte die Hoffnung, dass es Marx gelingen werde, unterschiedliche Positionen der Bischöfe in schwierigen Fragen im Sinne von Transparenz und Glaubwürdigkeit zu überbrücken und zusammenzuführen. Bei der Repräsentation der katholischen Kirche in Deutschland werde dem neuen Vorsitzenden dessen Kompetenz und Erfahrung im Umgang mit Medien nützen, so Fürst. Auch Hildesheims Bischof Norbert Trelle zeigte sich von der Wahl erfreut. Kardinal Marx sei ein überaus geschätzter Mitbruder und profilierter Kirchenvertreter.

Von Steffen Zimmermann