11. Türchen, 11. Gedicht
Mit 24 Gedichten durch den Advent

"Es war bestimmt die Weihnachtsmaus!"

"Die Weihnachtsmaus" kommt nur in der Weihnachtszeit aus ihrem Loch. Und sie hat nur ein Ziel: Süßigkeiten. James Krüss schuf mit seinem Gedicht einen Klassiker für Jung und Alt.

Von Edda Görnert |  Bonn - 11.12.2017

Lebkuchen gehören traditionell zum Weihnachtsgebäck - aber auch zur Beute der "Weihnachtsmaus".

Wenn's keiner gewesen sein will...

Wer kennt das alljährliche Phänomen aus Kindertagen nicht mehr: Zuhause ist der Lebkuchen verschwunden und natürlich ist es keiner gewesen. Unsereiner bezichtigte damals nur allzu gerne die Geschwister. In James Krüss' beliebtem Weihnachtsgedicht haben die Kinder eine geschwisterfreundlichere Lösung für das Verschwinden des Weihnachtsgebäcks gefunden: Es muss die "Weihnachtsmaus" gewesen sein. Diese kommt nur an den Weihnachtstagen aus ihrem Loch und stiehlt sämtliche Süßigkeiten.

"Es war bestimmt die Weihnachtsmaus, die über Nacht gekommen!", ist die allgemeine Erklärung im Haus für das Fehlen von Lebkuchen und Co. "Sind erst die Süßigkeiten fort, ist auch die Maus verschwunden!", prognostiziert die Familienmutter – und behielt natürlich Recht. Sobald der Baum abgeschmückt und alle Weihnachtssüßigkeiten weg waren, war auch die Weihnachtsmaus verschwunden. 

James Krüss nimmt sich des scheinbar unerklärlichen Phänomens der "verschwundenen" Weihnachtssüßigkeiten auf besondere Weise an, indem er es in ein liebenswertes, tierisches Gewand hüllt. Auch Leser im Kindesalter werden begeistert gewesen sein: Sie alle hatten plötzlich eine niedliche Erklärung für das Verschwinden der Süßigkeiten. Und Hand aufs Herz: Wer könnte bei dieser Begründung kein Auge zudrücken?

Gerade in dazugehörigen Illustrationen wird klar, wie viel Raum für Fantasie die Geschichte der Weihnachtsmaus bietet: Eine Maus, die in Schlafanzug und Pantoffeln aufsteht, um sich wenig später an die Arbeit zu machen. Unbemerkt erklimmt sie den Weihnachtsbaum, fährt eine Leiter aus, wirft eine Angel aus und fährt mit einem Einrad über gespannte Kordeln zu ihrer "Beute" auf dem nächsten Tannenzweig, um diese dann - zurück auf dem Boden - mit wehendem Schal in lässiger Kleidung auf dem Motorrad abzutransportieren.

Kinder aber auch Erwachsene, die sich Alltäglichem gerne mit einem Augenzwinkern nähern und Spaß an fantasievoll ausgeschmückten Geschichten haben, werden dieses Gedicht lieben. Für alle anderen gilt der Schlusssatz des Gedichts: "Was man von Weihnachtsmäusen denkt, bleibt jedem überlassen".

Von Edda Görnert