17. Türchen, 17. Gedicht
Mit 24 Gedichten durch den Advent

Worauf es wirklich ankommt

Technische Errungenschaften, ausgefeilte Organisationssysteme, Präszision: All das wird aus Sicht der christlichen Autorin Gertrud von le Fort unwichtig, wenn die Menschen sich eine Sache ganz klar machen.

Von Ursula Neises |  Bonn - 17.12.2017

Weihnacht (Gertrud von le Fort)

Nicht auf die Präzision,
mit der wir unsere Apparate bedienen,
nicht auf die geschickte Ordnung,
mit der wir unseren Verkehr meistern,
sondern auf unser Herz, das sich öffnet,
auf unsere Ohren, die lauschen,
auf unsere Hände, die einander finden
und sich falten können, kurz:
Auf das eigentlich Menschliche des
Menschen kommt es in der Christnacht an.
Und im tiefsten Grunde wissen wir das auch.
Nur wenn wir den Menschen in uns retten,
kann sich Gott im Menschen offenbaren.

Die Hände eines älteren Ehepaars

Die Dichterin trifft mit ihren Worten den Kern der Weihnachtsbotschaft, die unglaublich einfach ist: Gott wird Mensch. Wer sich auf sein Menschsein einlässt, es rettet, falls es verloren zu gehen droht, der hat alles getan, dass Weihnachten sich auch heute ereignet. Wie tröstlich ist es doch, dass wir alle es im Grunde wissen: Mach’s wie Gott, werde Mensch.

Gertrud von le Fort zählt für mich zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen christlicher Prägung im vergangenen Jahrhundert. Ihre Kindheit verbrachte die 1876 geborene Tochter eines preußischen Offiziers unter anderem in Koblenz. Religion und Philosophie interessierten sie zeitlebens. Studien (als Gasthörerin, dem zu dieser Zeit für Frauen einzig möglichen Status) in Heidelberg, Marburg und Berlin. Nach einem längeren Aufenthalt in Rom konvertierte sie 1926 zum katholischen Glauben. Religiöse Impulse empfing sie unter anderem von Edith Stein. Unter ihren literarischen Wegbegleitern finden sich Hermann Hesse und Carl Zuckmayer. Sie verstarb 1971 in Oberstdorf.

Von Ursula Neises