21. Türchen, 21. Gedicht
Mit 24 Gedichten durch den Advent

"Und alles blieb beim Alten"

"Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag" hat Erich Kästner ein Gedicht verfasst. Tenor: Christus meinte es gut, doch alles war vergebens. Diesem Urteil widerspricht Christian Olding deutlich.

Von Christian Olding |  Bonn - 21.12.2017

Alles vergebens?

Nichts war vergebens!

Glaubt man Erich Kästner hatte Jesus keinen Erfolg, denn "alles blieb beim Alten". Die Schwachen kommen noch immer unter die Räder, werden beiseitegeschoben und getreten - zu allen Zeiten, an allen Orten und bis auf den heutigen Tag. Das ist tägliche brutale Realität. Die Verletzlichen und Sensiblen werden gebrochen und die Gebrochenen werden ausgelöscht.

Advent ist Zeit der Sehnsucht. Sehnsucht, dass das nicht das Ende vom Lied ist. Von wo kommt Hilfe? Von einem kleinen Kind, das vor hat sich an meine Seite zu stellen in allen Höhen und Tiefen bis zum Tod? Von einem Revolutionär, der bereit ist zu leiden und zu sterben? Mein Glaube sagt ja! Gegen meinen impulsiven Wunsch nach jemanden, der einfach mal auf den Tisch haut und durchgreift, sagt mein Glaube ja. Gegen jede Realität sagt mein Glaube ja.

Dieser Jesus weiß, wie es sich anfühlt, zerbrochen am Boden zu liegen, kennt Hunger und Armut und Schmerz. Diesem Jesus glaube ich sein Mitgefühl und seine Solidarität, weil er sich an meine Seite stellt in allen Lebenslagen.

Von daher gebe ich Erich Kästner in seinen Beobachtungen zutiefst recht, aber nicht in seinem Urteil. Denn die Hoffnung und der Glaube, dass sich mit diesem Jesus etwas grundlegend in der Welt geändert hat, die behaupten sich gegen jedes Geschwätz und alle Strömungen der Zeit. Dieses Kind ist und bleibt der Emmanuel, der Gott mit uns.

Von Christian Olding