Verhüllte Kreuze, verlöschte Kerzen
Symbolik und Liturgie der Kar- und Ostertage

Verhüllte Kreuze, verlöschte Kerzen

Kurz erklärt: Was passiert in der Karwoche in den Kirchen? Katholisch.de erklärt die Liturgie dieser Woche, die eine Vielfalt von Symbolen enthält.

Von Norbert Göckener |  Bonn - 06.01.2015

In den Kirchen wird dies verdeutlicht durch das Verlesen der Leidensgeschichte, aber auch durch den Brauch, an diesem Tag Zweige zu segnen. Die Christen feiern Christus als König - deutlich auch durch die Purpurfarbe der Messgewänder. Als "Zeichen des Sieges und des Lebens" nehmen die Gläubigen am Ende der Palmprozession Buchsbaumzweige mit nach Hause.

Verlöschende Kerzen

Am Montag, Dienstag und Mittwoch werden in den Gottesdiensten die alttestamentlichen Gottesknechtlieder vorgetragen. Dies sind prophetische Voraussagen des Leidens Jesu. Im Münsteraner St.-Paulus-Dom hat sich überdies die alte Tradition der "Düsteren Metten" erhalten: In sinnfälligen Zeichen - nach und nach werden in der dunklen Kirche die 15 Kerzen eines Leuchters gelöscht - wird so symbolträchtig das Sterben Jesu nachempfunden, begleitet von Gebeten und Liedern.

Ein besonderes Zeichen am Gründonnerstag ist die Fußwaschung: Der Priester wäscht in Anlehnung an das Evangelium einigen Gottesdienstteilnehmern die Füße. Im Judentum war dies Sklavenarbeit. Die Fußwaschung in der Liturgie ist eine Aufforderung für die Christen, ebenfalls einander zu dienen. Dieser "Dienstcharakter" gilt auch für die Eucharistie, deren Einsetzung als Sakrament die Katholiken am Gründonnerstag feiern.

Papst Benedikt XVI. wäscht einem Priester die Füße.
Bild: © KNA

Papst Benedikt XVI. wäscht einem Priester die Füße.

Nachtwachen

Nach dem Gottesdienst wird der Altar abgedeckt und jeder Schmuck entfernt. Die Kreuze sind verhüllt. Das soll die Trauer verdeutlichen und einstimmen auf den Karfreitag. Die Christen denken daran, dass Jesus nach dem Abendmahl am Ölberg betete und um die Entscheidung rang, sich zu opfern. In den Kirchen werden so bis 24 Uhr Nachtwachen vor dem in den Leib Christi verwandelten Brot gehalten. Am Morgen des Karfreitag wird in vielen Gemeinden der Kreuzweg gebetet; in einigen Orten gibt es noch die Kreuztracht wie etwa in Hörstel-Bevergen (Kreis Steinfurt), wo diese Tradition seit mehr als 300 Jahren lebendig ist.

Um 15 Uhr, dem Zeitpunkt der überlieferten Todesstunde Christi, treffen sich die Christen dann in den Kirchen zum Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu. Dabei hören sie die Leidensgeschichte, beten für die Anliegen der Kirche und der Menschheit. Besonders verehrt wird dabei das Kreuz. Ein verhülltes Kreuz wird in die Kirche getragen und dann enthüllt. Dadurch soll den Gläubigen wieder neu das Leiden Christi bewusst werden. Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe.

In der folgenden Nacht feiern die Katholiken schließlich die Auferweckung Christi von den Toten. Nach kirchlichem Verständnis ist es "die Feier aller Feiern". Zu Beginn versammeln sich die Gläubigen um ein Feuer, das gesegnet wird. An diesem Feuer wird die Osterkerze entzündet. Anschließend wird sie in die dunkle Kirche getragen; an dem Licht zünden die Gottesdienstteilnehmer ihre Kerzen an. Dann singt der Priester oder ein Diakon das "Exsultet", das feierliche Osterlob. Imponierend gestaltet ist in vielen Gemeinden das Anstimmen der Orgel und der Glocken, die seit Gründonnerstag nicht mehr erklingen durften. Erstmalig seit Aschermittwoch wird das "Halleluja" gesungen.

Erneuerung des Taufversprechens

Ein weiterer Höhepunkt der Liturgie ist eine Taufe oder die gemeinsame Erneuerung des Taufversprechens. In der Taufe wird durch den liturgischen Brauch des Untertauchens deutlich: Die Christen sind mit Christus begraben und auferstanden.

Weil Ostern das größte Fest der Christenheit ist, hat es einen eigenen Festkreis: Die Osterzeit dauert 50 Tage und endet an Pfingsten. Diese Wochen spiegeln die große Freude der Kirche über die Auferstehung wider: Die Christen glauben nämlich, dass Jesus durch seinen Tod den Tod vernichtet hat und durch seine Auferstehung das Leben ermöglicht.

Von Norbert Göckener