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Standpunkt

An alle Besserwisser: Nicht nur an der Seitenlinie stehen!

Im öffentlichen Diskurs gibt es viele Stimmen, die alles vermeintlich besser wissen. Nur um die Umsetzung sollen sich andere kümmern. Doch wer eine Sache gut findet, soll sich konkret für sie engagieren, kommentiert Volker Resing.

Von Volker Resing |  Bonn - 14.05.2019

Es gibt einen schleichenden Infekt, der Gesellschaft und Kirche schon lange befallen hat. Langsam und sehr unbemerkt breitet sich das Virus aus, zerstört aber zentrale Funktionsmechanismen des freiheitlichen und demokratischen Gemeinwesens. Die Krankheit heißt Institutionenverachtung. Weit verbreitet sind im öffentlichen Diskurs Stimmen, die es besser wissen. Gewiss sind unter den Wortführern für eine bessere Kirche, eine bessere Gesellschaft, eine bessere Politik und ein besseres Klima auch kluge Leute, die in der Analyse Recht haben und in den Vorschlägen kreativ sind. Nur umsetzen, das sollen immer die anderen machen.

Ganz konkret: Motor der Kirche waren lange Jahrzehnte Vereinigungen und Verbände. Kolping, KAB, BKU, Bund Neudeutschland, und so weiter. Übrigens: Das ZdK gibt es nur mit Verbänden. Auch das demokratische Gemeinwesen hat von diesem vorpolitischen Raum der Kirche gelebt. Die Demokratie wiederum braucht nichts mehr als funktionierende Parteien. Das lässt sich täglich beobachten. NGOs können verfassungstechnisch und demokratiepraktisch Parteien nicht ersetzen. Doch gelästert wird über die Verbände, Verachtung herrscht bisweilen gegenüber den Parteien.

Deswegen: Wer "Maria 2.0" gut findet, der schreibe nicht nur auf Facebook nette Sätze, sondern trete heute noch in den Frauenbund, die kfd, in den Hildegardisverein, in den Familienbund, bei den Landfrauen oder ähnlichem ein. Das stärkt die Kirche von unten, das gibt einem Neuaufbruch wirklich Kraft. Nur an der Seitenlinie stehen kann jeder. Und zur Europawahl wählen gehen, ist sicher richtig und wichtig. Doch wer zum Jubiläum des Grundgesetzes wirklich etwas nachhaltig Gutes tun will, der trete in eine Partei ein. Heute noch! Möglichst in eine, die in Deutschland schon mal an einer Bundesregierung beteiligt war, das bringt uns allen am meisten.

Übrigens empfehle ich den "Fridays for Future"-Leuten dringend, sich an den BDKJ zu wenden. Macht bei den Pfadfindern, der Kolping-Jugend, bei der KLJB oder der KJG mit. Ihr glaubt gar nicht, was das für eine Schlagkraft entwickeln kann. Das ist das beste Gegengift gegen die Krankheiten der Gesellschaft.

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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