Schachfigur
Gudrun Lux über Tschernobyl

Atomkraft – nein danke!

Gudrun Lux über Tschernobyl

Von Gudrun Lux |  Bonn - 27.04.2016

"Tschernobyl" ist längst ein Synonym geworden für die Atomkatastrophe an sich. 30 Jahre ist es her, dass eigens ein Wort erdacht werden musste für das Schreckliche, was dort geschehen war: Ein Super-GAU. Die Steigerung des "Größten (!) Anzunehmenden Unfalls". Etwas, das zuvor also nicht anzunehmen, ja vielleicht schier unvorstellbar war.

Tausende Menschen starben, Zehntausende mussten fliehen. 250.000 Menschen, die nach dem Super-GAU dazu gezwungen wurden, dort aufzuräumen, haben heute Krebs. Eine ganze Region ist unbewohnbar.

Auch Fukushima mahnt. Unter dem Eindruck der damals aktuellen Katastrophe in einem Hochtechnologie-Land zwang Angela Merkel 2011 die CDU zur Kehrtwende in der Atompolitik, in deren Windschatten auch die Atomkraftfans der CSU. Lediglich die beeindruckend faktenresistente AfD fordert heute noch eine Rückkehr zur Hochrisikoenergie.

Man muss es sich deutlich vor Augen führen: Da wurde und wird eine Energieform betrieben und jahrelang staatlich massiv gefördert, die nicht nur im Katastrophenfall Regionen auf Jahrzehnte, Jahrhunderte unbewohnbar macht, das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen nachhaltig schädigt und zu krassen Mutationen führt, sondern die auch noch Müll zurücklässt, der gleichsam ewig gefährlich strahlt – und wir wissen nicht wohin damit. Was passiert, wenn Atomkraftwerke terroristisch angegriffen würden, mag man sich nicht ausdenken. Auch finanziell sind die Folgen enorm: Selbst wenn alles störungsfrei läuft, wird die Lagerung des Atommülls noch unsere Urenkel Milliarden kosten.

Es ist offensichtlich: Atomkraft – nein danke! Wir müssen weltweit umsteigen auf Energiegewinnung, die sicher und beherrschbar ist. Wir müssen dafür sorgen, dass wir unseren Kindern und Kindeskindern nicht noch mehr Atommüll und Zerstörung hinterlassen. Gut, dass Deutschland aussteigt. Gut, dass die Schweiz (wenn auch langsam) aussteigt. Gut, dass Österreich schon 1978, Jahrzehnte später auch Italien per Volksabstimmung entschieden hat, das Risiko Atomkraft nicht einzugehen.

Wer als Christin oder Christ sagt: "Ja, wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung", der schließe sich auf allen Ebenen dem Kampf für eine nachhaltige Energiewende und eine ressourcenschonende Wirtschaft und Gesellschaft an. Tschernobyl und Fukushima mögen dabei mahnende Wegweiser sein wie der Turm zu Babel.

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin, Autorin und Kommunikationsberaterin in München.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Gudrun Lux