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Standpunkt

Auch Kleriker sind anfällig für Korruption!

Ein zu sorgloser Umgang mit Finanzen ist nicht nur in Eichstätt vorgekommen, sondern auch in anderen Bistümern. Dadurch ist viel Vertrauen verloren gegangen, sagt Christof Haverkamp. Zwingend nötig sei die Kontrolle unabhängiger Finanz- und Wirtschaftsfachleute.

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 11.02.2019

Christof Haverkamp ist Chefredakteur einer Bistumszeitung.

Der Wind bläst der katholischen Kirche in Deutschland wieder heftig ins Gesicht. Neben der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale geht es in manchen Bistümern um den leichtfertigen Umgang mit Geld – zum Beispiel im Bistum Eichstätt: Von verschwundenen Akten, groben Pflichtverletzungen und hohen Provisionszahlungen ist im Prüfbericht von Münchener Anwälten die Rede, die das Bistum zur Aufklärung eingeschaltet hat.

Eine zu lockere Verwendung der Finanzen war und ist aber leider kein Einzelfall. Auch in den Bistümern Limburg und Würzburg sowie in den Erzbistümern Freiburg und Hamburg lief es in den vergangenen Jahren nicht optimal – aus völlig unterschiedlichen Gründen. Deutlich aber wurde: Die Kontrolle von innen und außen hat nicht hinreichend funktioniert.

Viel Vertrauen ist durch diese Misswirtschaft verloren gegangen. Das gilt erst recht, weil die Kirche moralisch höhere Standards für sich beansprucht als andere Institutionen. Im Evangelium steht dazu das Jesus-Wort: "Bei Euch aber soll es nicht so sein." Schließlich geht es um das Geld der Kirchensteuerzahler. Kluges, sorgfältiges Haushalten ist nötig, erst recht vor dem Hintergrund, dass in zehn Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen und spätestens dann Einnahmen einbrechen werden.

Ein guter Seelsorger ist nicht automatisch ein guter Fachmann in Finanzfragen. Macht muss kontrolliert und geteilt werden. Überprüfungen und das Einholen von Zweitmeinungen sind zwingend notwendig. Ein akribisch arbeitender Kirchensteuerrat mit unabhängigen Wirtschafts- und Finanzfachleuten kann Skandale verhindern.

Neben der Misswirtschaft muss auch die Korruption bekämpft werden. Auch wenn es manche Bistumsleitungen nicht gerne hören: Dafür sind Kleriker ebenso anfällig wie Laien, wie das Beispiel Eichstätt belegt. Was Peter Eigen, Gründer von Transparency International, empfiehlt, ist daher berechtigt: Die Deutsche Bischofskonferenz sollte verbindliche Regeln zur Vermeidung von Korruption aufstellen und mit Hilfe von außen Schwachstellen aufspüren.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

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