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Aufarbeitung des Missbrauchs: Gebt den Bischöfen eine Chance!

Nach der Missbrauchsstudie ging die Arbeit in den Diözesen erst richtig los: Wie reagieren auf das Ausmaß der Verbrechen? Gabriele Höfling bricht eine Lanze für die Aufarbeitungsarbeit der deutschen Bischöfe.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 31.01.2019

Seit dem Erscheinen der MHG-Studie hat sich der Redaktionsalltag kirchlicher Medien spürbar verändert. Im Nachrichtenstrom der eingehenden Meldungen dominiert nur ein Thema: Der Missbrauch und seine Aufarbeitung. Ein Bischof nach dem anderen übergibt Missbrauchs-Akten an die Staatsanwaltschaft, viele von ihnen machen Vorschläge, wie die Kirche künftig mit Prävention, Priesterausbildung, Priesterbild und homosexuellen Priesteramtskandidaten umgehen kann.

Es scheint geradezu, als hätte sich in den Chefetagen der Bistümer ein Schalter umgelegt, als sei die Missbrauchsstudie der Weckruf gewesen, den es offensichtlich (leider) noch brauchte. Die innerkirchliche Aufarbeitung des Missbrauchs hat eine neue Qualität erreicht. Damit ist der Skandal zwar noch lange nicht aufgearbeitet. Aber so viel Ringen, Selbstkritik und Bemühen, es in Zukunft besser zu machen, war bisher noch nie.

Unglücklich ist nur, dass davon über die sogenannten 'säkularen Medien' kaum etwas nach außen dringt. Denn viele der großen, überregionalen Redaktionen haben zwar ausführlich über den Paukenschlag der Missbrauchsstudie selbst berichtet. Über die schrittweise Aufarbeitung seitdem kam allerdings viel zu wenig nach. Die Arbeit, einzelne Neuigkeiten aus den Bistümern aufzugreifen oder gar zu einem Gesamtbild zusammenzutragen, wollte man sich offensichtlich nicht machen. Das ist schade. Denn so entsteht nach außen ein verzerrtes Bild über den Umgang der Kirche mit dem Missbrauch. Und damit steigt auch die Gefahr, dass sich bei manchem  Gläubigen der fälschliche Eindruck festsetzt, die Bischöfe seien 'beratungsresistent' und es werde sich 'eh nichts ändern'. Das wäre tragisch. Die Gläubigen sollten den Hirten eine Chance geben. Denn deren Bemühen um die Aufarbeitung ist echt.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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