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Standpunkt

Autofahren ist Freiheit? Von wegen!

Deutschland diskutiert über den Diesel – doch echter Klimaschutz hat es hierzulande noch viel zu oft viel zu schwer, findet Andrea Hoffmeier. In ihrem Kommentar plädiert sie für stärkere gemeinsame Anstrengungen in Sachen Klimaschutz und eine Kehrtwende im Umgang mit dem Auto.

Von Andrea Hoffmeier |  Bonn - 10.01.2019

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

Bereits heute leben in Deutschland drei Viertel der Bevölkerung in Städten. Die Stadtbevölkerung ist weltweit für mehr als 70 Prozent der Emissionen verantwortlich. Die Städte müssen deshalb eine zentrale Rolle im Klimaschutz übernehmen. Von ehrgeizigen Zielen, geschweige denn konsequenten politischen Weichenstellungen kann aber weder in meiner Heimatstadt Köln, noch in den anderen deutschen Städten wirklich die Rede sein.

Die derzeitige Debatte um die Dieselverbote ist da symptomatisch. Kerzen anzünden und das Kochen mit Gas seien viel schlimmer als Dieselabgase, die Messstationen seien zu nah an Häusern oder an Ampeln aufgestellt – so hieß es unter anderem am Montag in der ARD-Reportage "Das Diesel-Desaster". Sicherlich, Fahrverbote lösen nicht allein unsere Umweltprobleme, aber nichts zu tun, weil etwas anderes ebenfalls zur Verschmutzung beiträgt, hilft nicht. In Deutschland müssen wir für den Umwelt- und Klimaschutz an vielen Stellschrauben drehen und Maßnahmen mit höherem Tempo umsetzen als bisher.

Radschnellwege, autofreie Innenstädte, ein gut ausgebauter und preiswerter öffentlicher Nahverkehr sind nur ein paar Maßnahmen, bei denen einige Metropolen dieser Welt mutig vorangeschritten sind. In Oslo etwa, der frisch gekürten "Grünen Hauptstadt Europas", müssen alle öffentlichen Neubauten mehr Energie produzieren als sie selbst verbrauchen. Paris, London, Tokio und New York gehören zu den 19 Großstädten, die bis zum Jahr 2050 eine CO2-Neutralität aller Gebäude umsetzen wollen. Eine deutsche Stadt ist nicht dabei.

Mit solchen Maßnahmen werden nicht in erster Linie Arbeitsplätze vernichtet – was ja immer die größte Angst bei uns ist –, sondern neue innovative Lösungen gefördert. Diese schaffen globale Wettbewerbsvorteile. Klimaschutz ist eine gemeinsame Anstrengung. Verbote und die öffentliche Förderung von Alternativen müssen Hand in Hand gehen. Ebenso braucht es Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, Dinge in ihrem Leben umzustellen. Autofahren ist Freiheit? Ich habe mit Bus und Bahn eine ganz neue Lebensqualität gewonnen.

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Akademiedirektorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Hinweis

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