Schachfigur
Oliver Maksan über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Benedikts Erbe weist weit in die Zukunft

Oliver Maksan über den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Von Oliver Maksan |  Bonn - 09.02.2018

 Diplomtheologe Oliver Maksan

Am Sonntag sind es fünf Jahre, seit Benedikt XVI. seine Abdankung ankündigte. Am Morgen die fassungslosen Gesichter der Kardinäle nach der lateinischen Ansprache, am Abend Blitzschlag über Sankt Peter: Der Felsen Petri schien zu wanken. So groß indes die Trauer und das Gefühl der Vaterlosigkeit der einen war, so groß war der Jubel der anderen: Mit seinem Rücktritt habe Benedikt die erste und einzige große Tat seiner Amtszeit vollbracht. Positiver Kollateraleffekt neben der theologischen Entsorgung des ungeliebten Ratzingerpontifikats: Endlich sei das Amt des Stellvertreters Christi entsakralisiert worden.

Woher dieses Bedürfnis, partout alles auf Gleichmaß zu schrumpfen, auch kommen mag: Man täusche sich nicht. Das Amt des Nachfolgers Petri lässt sich nicht restlos "demythologisieren" sprich einebnen. Dazu ist seine singuläre Stellung dogmatisch zu stark. Hinter das Erste Vatikanum konnte und wollte auch das Zweite Vatikanum nicht zurück, wenn es auch die Stellung des Petrusnachfolgers gegenüber und im Bischofskollegium bedachte, wozu das Vorgängerkonzil wegen der Folgen des deutsch-französischen Krieges schlicht nicht mehr gekommen war. Die Unfehlbarkeit des Papstes wie sein Jurisdiktionsprimat sind indes unhintergehbare definierte Glaubenslehre. Im Medienzeitalter zudem erhält der Papst eine Dauerpräsenz und damit informelle neue Bedeutung, die in früheren Zeiten, als das Sakristeibild den einzigen Blick auf den Nachfolger Petri erlaubte, undenkbar war.

Worin die eigentliche Größe und bleibende Bedeutung des Pontifikats von Joseph Ratzinger besteht, ist übrigens längst noch nicht entschieden. Durch seine Abdankung hat er sich einen Platz in der Kirchengeschichte ohne Zweifel schon jetzt gesichert. Wer weiß aber, ob der Rücktritt eines Papstes nicht nur Episode bleibt und seine Nachfolger wieder im Amt sterben. Theologisch aber reicht das Lehramt Benedikts XVI. – Hermeneutik der Kontinuität, Wiederzulassung der alten Liturgie, Entweltlichung, Fides et Ratio – schon jetzt weit in die Zukunft.

Von Oliver Maksan

Der Autor

Oliver Maksan ist Chefredakteur und Geschäftsführer der Würzburger katholischen Zeitung "Die Tagespost". Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent in Jerusalem.

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