Schachfigur
Gudrun Lux über Erste-Hilfe-Kenntnisse der Deutschen

Beschämend wenig Ahnung vom Lebenretten

Gudrun Lux über Erste-Hilfe-Kenntnisse der Deutschen

Von Gudrun Lux |  Bonn - 22.01.2018

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland hat beschämend wenig Ahnung vom Lebenretten. Wenn es um Erste Hilfe geht, sind allzu viele hilflos. Beispiel plötzlicher Herzstillstand: Bis zu 100.000 Menschen in Deutschland sind jedes Jahr davon betroffen. Ihre Chance aufs Überleben hängt davon ab, ob und wie schnell Wiederbelebungsmaßnahmen gestartet werden. Jede Minute zählt - mit jeder, die ohne Behandlung verstreicht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um 10 Prozent. Anders gesagt: Wenn nicht binnen fünf Minuten eine Herzdruckmassage begonnen wird, ist der Tod wahrscheinlicher als das Leben.

Erschreckenderweise beginnen nur 15 von 100 medizinischen Laien hierzulande im Notfall rechtzeitig eine Herzdruckmassage. Damit stehen wir im europäischen Vergleich ziemlich schlecht da. In Schweden etwa ergreifen 60 von 100 Laien die nötige Maßnahme. Die Konsequenz ist: In Deutschland einen Herzstillstand zu überleben, ist reine Glückssache.

Es muss dringend gesetzlich geregelt werden, dass mehr Menschen regelmäßig in Erster Hilfe geschult werden. So könnte beispielsweise der Besitz des Führerscheins daran geknüpft werden, alle zwei Jahre einen Auffrischungskurs zu machen. Darüber hinaus sind aber auch Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Auch in Betrieben sollte es regelmäßige (Pflicht-) Kurse geben.

Und auch die Kirche kann hier noch viel tun. Alle ehrenamtliche Gruppen - von den Pfadfinderinnen bis zum Kirchenchor - sollten regelmäßige Kursangebote machen. Wir müssen Menschen dazu befähigen, Leben zu retten - und über lebensrettende Sofortmaßnahmen Bescheid zu wissen, muss gerade unter Gläubigen selbstverständlich sein, und zwar nicht nur bei den Maltesern. Denn wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin und Vorsitzende der Münchner Grünen. Sie ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

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