Schachfigur
Dominik Blum über das Papst-Porträt von Wim Wenders

Bildgewaltiges Filmereignis über einen Anti-Trump

Dominik Blum über das Papst-Porträt von Wim Wenders

Von Dominik Blum |  Bonn - 12.06.2018

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Biergartenwetter und Fußball-WM. Saure-Gurken-Zeit für die Kinos. Oder doch nicht? Universal Pictures bringt mitten im Sommer Jurassic World in die deutschen Lichtspielhäuser, Steven Spielbergs fünften Dino-Blockbuster. Und fast gleichzeitig "Ein Mann seines Wortes", den Papst-Film von Wim Wenders. Der Verleih sieht also in dem Franziskus-Porträt eine ganze Menge Potenzial. Richtig so, denn die Dokumentation ist ein bildgewaltiges Filmereignis.

Wenders hat kein Biopic gedreht und schon gar keine cineastische Heiligsprechung, wie es in manchen Kritiken heißt. Der Film nimmt seinen Anfang bei Franz von Assisi und veranschaulicht, warum der argentinische Papst sich den Poverello zum Vorbild nimmt. Wenders zeigt immer wieder Gesichter in Großaufnahme, Begegnungen, den Papst als Mensch unter Menschen. Der Regisseur will, dass Franziskus zu aller Welt sprechen kann über seine Anliegen – Arbeit und Würde, das Leid der Mutter Erde, Solidarität mit den Armen und der Umwelt, Mut und Demut. Wenn Franziskus direkt in die Kamera spricht, dann wendet er sich unmittelbar an den Zuschauer, an Sie, an mich. An alle Menschen guten Willens.

Es geht also um den Papst und seine Botschaft. Kein Wunder, denn Wenders, der im Dezember 2015 die Regie bei der Übertragung der Eröffnungsfeierlichkeiten zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit führte, wurde ja vom Vatikan mit dem Film beauftragt. So viel ausdrückliche Verkündigung war nie im deutschen Kino – und Verkündigung im Kino war nie so plakativ, konzentriert, authentisch. Wenders zeigt mit Franziskus den kraftvollen und demütigen Leader für diese Welt, ihre Wunden und Überlebensfragen. Dabei ist dieser Papst ein Anti-Trump. Seine Gesten sind nicht die erhobene Faust und das Victory-Zeichen, sondern die zärtliche Berührung, der Kuss, der Segen. Sein Status ist die Wahrheit und seine Macht das Wort. Franziskus ist der einzige, der dieser verwundeten Erde sagen kann: "Die Zukunft hat einen Namen. Dieser Name heißt Hoffnung."

Ein Mann seines Wortes startet nach der Preview beim Katholikentag in Münster an diesem Donnerstag in den Kinos hierzulande. Wer die Premiere sehen will, verpasst das Eröffnungsspiel der WM des Zaren, Russland gegen Saudi Arabien. Meine Empfehlung: Trotzdem unbedingt ins Kino gehen!

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.