Schachfigur
Andrea Hoffmeier über die Wahlbeteiligung

Bildung und das Kreuzchen

Andrea Hoffmeier über die Wahlbeteiligung

Von Andrea Hoffmeier |  Bonn - 11.05.2017

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

Zu Recht wird momentan viel über die Zukunft der Demokratie in Deutschland und Europa diskutiert. Wir merken, dass sie ein fragiles Gut ist, für das wir uns immer wieder neu einsetzen müssen. Während einige bei Wahlen ihr Heil in einfachen Lösungen suchen, gibt es viele, die sich schon gänzlich von ihrem Wahlrecht, einem Eckpfeiler der Demokratie, verabschiedet haben. Der fünfte Armuts- und Reichtumsbericht zeigt den Zusammenhang zwischen demokratischer Teilhabe und sozialen Faktoren auf. Als ein Indikator liegt die Wahlbeteiligung bei Menschen mit geringem Einkommen 15 Prozent unter denen mit mittlerem Einkommen. Bei Arbeitslosen liegt der Unterschied zu Erwerbstätigen sogar bei fast 28 Prozent.

In einer Bertelsmann-Studie zur milieuspezifischen Selektivität wird deutlich, dass die Faktoren Bildung und Arbeitslosigkeit maßgeblichen Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben. Bei der Bundestagswahl 2013 sind in einigen sozial benachteiligten Stadtteilen, zum Beispiel in Halle, nur noch 36,2 Prozent, und in Köln nur 42,5 Prozent wählen gegangen. Einen Negativrekord gab es 2015 bei der Kölner Oberbürgermeisterwahl. Da gingen in Köln-Chorweiler nur 14,6 Prozent der Menschen wählen.

Jetzt kann man einwenden, dass Bundestagswahlen besser besucht sind als Oberbürgermeisterwahlen. Das mag sein, beruhigt mich aber überhaupt nicht. Untersuchungen zeigen deutlich, dass es einen überproportionalen Rückgang der Wahlbeteiligung über die Jahre hinweg in sozial benachteiligten Stadtvierteln gibt. Dieser wird sich fortsetzen, wenn wir nicht gegensteuern. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht damit abfinden und ganze Stadtviertel beziehungsweise Personengruppen einfach abschreiben. Dies ist nicht vereinbar mit dem christlichen Menschenbild und für den sozialen Frieden und unsere Demokratie fatal. Ein Ansatzpunkt ist es, das Bildungssystem so zu reformieren, dass die unheilige Allianz von Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland endlich durchbrochen wird.

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

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