Schachfigur
Steffen Zimmermann über die Themen der Vollversammlung

Bischöfe, kommt raus aus dem Hinterzimmer!

Steffen Zimmermann über die Themen der Vollversammlung

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 13.02.2018

Steffen Zimmermann katholisch.de

In der kommenden Woche trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz zu ihrer traditionellen Frühjahrs-Vollversammlung. Wie man der Vorankündigung entnehmen kann, wollen die 66 Bischöfe dabei in Ingolstadt einen Studientag zum Thema "Verständnisgrundlagen des Dialogs mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa" veranstalten sowie über Flüchtlingsarbeit, Notfallseelsorge und den weiteren Umgang mit der Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus sprechen. So weit, so langweilig.

Keine Frage: Natürlich haben alle diese Themen bei einer Vollversammlung ihre Berechtigung – doch der Gemütslage und den Interessen der Katholiken in Deutschland dürfte die Tagesordnung kaum entsprechen. Warum, so werden sich viele Gläubige fragen, diskutieren die Bischöfe nicht über den Finanzskandal im Bistum Eichstätt? Warum nicht über die prekäre Lage des Erzbistums Hamburg? Wieso wird nicht über die Segnung homosexueller Paare gesprochen? Wieso nicht über den Umgang mit Donum Vitae?

Zwar kann man davon ausgehen, dass auch diese Themen bei der Vollversammlung zur Sprache kommen werden – allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und genau das halte ich für falsch. Zwar ist es das gute Recht der Bischöfe, Probleme und Kontroversen im geschützten Raum zu besprechen; in vielen Fällen mag das sogar geboten und hilfreich sein. Doch gleichzeitig gibt es unter den Gläubigen – nicht zuletzt durch den Missbrauchsskandal und den Fall Tebartz-van Elst – ein gewachsenes und berechtigtes Informationsinteresse. Hinzu kommt, dass die jüngsten Skandale und Streitthemen für neue Verunsicherung und viele Fragen gesorgt haben.

Aufklärung durch die Hirten ist also dringend geboten. Deshalb sollten die Bischöfe bei ihrer Vollversammlung ein klares Signal an die Gläubigen senden: Liebe Katholiken, wir haben verstanden und kümmern uns – und zwar nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern transparent und nachvollziehbar. Unbedingt sollte sich die aktuelle Lage der Kirche in der Tagesordnung der Versammlung widerspiegeln, zumal sich Streithemen im digitalen Zeitalter ohnehin nicht auf Dauer im Hinterzimmer verstecken lassen. Es ist dabei auch keine Schande, dass sich die Bischöfe nicht in allen Fragen einig sind. Viel mehr stehen Diskussionen – eventuell auch ohne unmittelbares Ergebnis – für eine lebendige Kirche.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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