Schachfigur
Standpunkt

Brückenbauer – oder polternder Gaucho?

Papst Franziskus hat Abtreibung mit Auftragsmord verglichen. So verletzt Franziskus viele ohnehin leidende Menschen und zerstört Vertrauen, das er mit seinem Auftreten für die Kirche gewonnen hatte, kommentiert Thomas Seiterich.

Von Thomas Seiterich |  Bonn - 12.10.2018

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift Publik-Forum.

Viele  menschliche Stärken haben ihre negative Gegenseite. Das gilt natürlich auch bei Päpsten. Papst Franziskus ist – meistens - ein charismatischer Kommunikator. "Ein Mann seines Wortes", wie der Titel des sehenswerten Franziskusfilms von Wim Wenders lautet. Doch manchmal scheint der Papst von allen guten Geistern verlassen. So bei der Generalaudienz dieser Woche. In seiner Predigt über das Gebot "Du sollst nicht töten" sprach er nicht nur über Politik und Armutsbekämpfung, sondern auch über Abtreibungen. Franziskus sagte, eine "in sich widersprüchliche Denkweise" erlaube Schwangerschaftsabbrüche "im Namen des Schutzes anderer Rechte."  Aber wie könne ein Akt, der unschuldiges und wehrloses Leben in seinem Entstehen unterdrücke, therapeutisch, vernünftig oder auch nur menschlich sein? "Ich frage euch", fuhr Franziskus fort, "Ist es gerecht, ein menschliches  Leben zu beenden, um ein Problem zu lösen?" Soweit, so klar und deutlich der Papst und so klar die Lehre der katholischen Kirche.

Doch weshalb weicht Franziskus  dann von seinem Redemanuskript ab, um den  polemischen Vergleich zu ziehen, der mittels der Medien zu einem Aufschrei der Empörung rund um den Globus führt? Er  sagte: "Es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch wenn er klein ist. Es ist wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen."

Wer so im Macho-Stil eines argentinischen Gaucho daherpoltert, beleidigt sowohl die Opfer eines Mordes als auch die Gewissensentscheidung eines Paares oder einer Frau im Schwangerschaftskonflikt. Die Herstellung eines Zusammenhanges zwischen einem Auftragsmord und einem Schwangerschaftsabbruch ist – zumal bei einem Seelsorger - unmöglich, denn sie zeigt geringe Sensibilität gegenüber schwangeren Frauen in vielerlei Not.

Schade, dass Franziskus immer wieder mal ausrutscht, wenn er spontan Sprüche klopft. Denn mit seinen Großtexten wie dem nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia über die Liebe oder der Enzyklika Laudato si über Umwelt und Schöpfung hat er im deutschen Sprachraum Vertrauen gewonnen, weit über die Kreise der Kirche hinaus. Dieses Vertrauen ist fragil. Umso wichtiger ist es, dass er seine Worte und deren Wirkung wägt.

Von Thomas Seiterich

Der Autor

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift "Publik-Forum".

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