Schachfigur
Sophia Michalzik über den Bischof von Chur und die Familiensynode

Danke, Bischof Huonder!

Sophia Michalzik über den Bischof von Chur und die Familiensynode

Von Sophia Michalzik |  Bonn - 12.08.2015

Eigentlich muss man Vitus Huonder dankbar sein. Der Bischof von Chur hat mit seinen zitierten Bibelstellen zu Homosexualität eine Debatte losgetreten, mit der er selbst wohl am wenigsten gerechnet hat. Vorläufiger Höhepunkt: Eine Schwulenorganisation hat Anzeige erstattet. Ein PR-Gau, nicht nur für die Schweizer Bischofskonferenz, sondern für die gesamte katholische Kirche.

Doch mit seiner Äußerung – wie auch immer man sie persönlich bewerten mag – hat Huonder auf ein Problem innerhalb des kirchlichen Diskurses aufmerksam gemacht: Gut sieben Wochen vor Beginn der Familiensynode bringen sich die unterschiedlichen kirchlichen Akteure in Stellung. Da kann man jetzt toben und Journalisten vorwerfen, sie würden mit solchen Feststellungen die Kirche spalten. Doch es ist unbestritten, dass Kardinal Gerhard Ludwig Müller und Kardinal Walter Kasper unterschiedliche Schwerpunkte bei der Auslegung der kirchlichen Lehre setzen. Das ist per se nicht falsch.

Fatal wird es dann, wenn Dogmatik und Pastoral gegeneinander ausgespielt werden und regelrechte Grabenkämpfe entstehen. Das passierte zuletzt immer häufiger: in den sozialen Netzwerken, auf Internetportalen oder in Diskussionsrunden von Verbänden verschiedener Couleur. Es betrifft also nicht nur Kardinäle; auch die Gläubigen verteilen sich zusehends auf die zwei Lager "Bewahrer" und "Reformer"  – und das mit teils heftigsten Wortgefechten. Hilfreich ist die so geführte Diskussion nicht: Bockig die Lehre der Kirche vorzuschieben, kann keine Lösung sein – genauso wenig, wie mit Übereifer alles über Bord zu werfen, nur um ja niemanden zu vergraulen. So funktionieren keine Debatten und so kommen wir zu keiner Lösung für unsere pastoralen Herausforderungen.

Bischof Franz-Josef Bode, einer der Teilnehmer der Familiensynode, hat zurecht vor einigen Wochen in einem Interview gewarnt, dass es am Ende der Synode nicht nur Sieger und Besiegte geben darf. Doch derzeit sind Synodale und Gläubige auf dem besten Weg, dass am Ende genau das passiert. Oder noch schlimmer: Dass am Ende vor allem die Einheit der Kirche besiegt ist.

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