Schachfigur
Standpunkt

Das Grab ist nicht das Ende!

Allerheiligen und Allerseelen fallen in eine Zeit des Jahres, die vielen Menschen düster und grau erscheint. Doch das muss nicht sein, findet Gudrun Sailer. Im Standpunkt erklärt sie, warum uns gerade die Erinnerung an den Tod fröhlich stimmen kann.

Von Gudrun Sailer |  Bonn - 31.10.2018

redakteurin gudrun sailer

Düster, grau und neblig: das färbt auf die Seele ab. Es ist zwecklos, so zu tun, als würde uns das Wetter kalt lassen, als ginge es uns kaum etwas an. Kommt nicht auch die Hirnforschung immer mehr dahinter, dass unsere Intelligenzmasse "mitschwingt" mit dem, was uns umgibt? Draußen grau, drinnen grau. Grau in grau. Allerheiligen und Allerseelen kommen da vom Timing her gerade recht. Trauerweiden im Novembernebel.

Etwas bedauerlich finde ich, dass auch wir Christen diesem Novemberblues scheinbar so wenig entgegenzusetzen haben. Nein, das hier wird kein Halloween-Bashing, noch eine Halloween-Hymne, ich habe zu Halloween überhaupt keine Meinung, wenn ich das so ungeniert sagen darf.

Mein Punkt ist ein anderer: Allerheiligen und Allerseelen sind, bei Licht betrachtet, freudvolle Feste. Zu Allerheiligen denken wir an die Großen, die alle kennen: Mutter Teresa, Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen. Aber auch an die Heiligen von nebenan, für die niemand je ein Seligsprechungsverfahren anstrengen würde, was nicht heißt, dass sie nicht genauso heilig sind wie die amtlichen. Die Heiligen sind, so hat das Papst Benedikt einmal unnachahmlich formuliert, "die große Lichtspur, die Gott durch die Geschichte gezogen hat". Dass es sie gibt, erstaunlicherweise auch unter uns, taugt im Grund als Gottesbeweis.

Zu Allerheiligen oder zu Allerseelen gehen wir an die Gräber unserer Verstorbenen und wir gedenken wiederum aller Menschen, die uns vorausgegangen sind (was für ein starker, schöner, alter Ausdruck für "sterben"). Ja, das Denken an geliebte Tote kann sehr traurig stimmen.

Darum werde ich nie vergessen, wie damals in Rom beim Tod des heiligen Papstes Johannes Paul II. Abertausende junge Leute, viele aus Polen und Spanien angereist, fröhlich singend durch die Straßen zogen und "Giovanni Paolo!" skandierten. Ich hatte nichts Vergleichbares je erlebt. Ebenfalls angereiste Journalisten reagierten verstört. Aber diese Jugendlichen hatten präsent, was vielen von uns irgendwie entglitten ist: Das Grab ist nicht das Ende! Die Menschen, deren Namen auf den Grabsteinen am Friedhof stehen, ruhen nicht da unten. Sie ruhen da oben, sind erlöst, geborgen und heil. Das zumindest ist, was wir als Christen hoffen dürfen.

Düster? Warum eigentlich?

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatican News".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.