Schachfigur
Monika Metternich über Missbrauch in Film und Kirche

Der "Fall Wedel" und seine Parallelen

Monika Metternich über Missbrauch in Film und Kirche

Von Monika Metternich |  Bonn - 31.01.2018

So wenig man die Dimensionen von Missbrauch an Kindern, wie er die katholische Kirche erschüttert hat, und dem an jungen Schauspielerinnen im Film- und Fernsehgeschäft, wie sie der "Fall Wedel" impliziert, direkt vergleichen kann, so fallen doch einige Parallelen ins Auge. Die strukturellen Zusammenhänge von Macht, Sexualität, Missbrauch und Vertuschung sind wie in der Kirche auch in der Filmwelt vorhanden. Das Schweigen von Sendern, Produktionen und Filmschaffenden ermöglichte es dem Vernehmen nach dem als Genie verehrten Filmemacher erst, brutalen Machtmissbrauch ohne Konsequenzen üben zu können.

Die Kritiker der medialen Skandalisierung des "Fall Wedel" klingen teilweise fast wortgleich mit denen, die sexuellen Missbrauch unter dem Dach der Kirche zur böswilligen Erfindung erklärten. Die Opfer werden auch hier vielsagend gefragt, warum sie wohl jahrzehntelang gewartet hätten mit ihren Anklagen. Die Vorwürfe seien doch fast allesamt verjährt, und was nicht justiziabel sei, dürfe auch nicht öffentlich gebrandmarkt werden. Ein Tribunal ohne Richter. Und was selbst dem Papst vor einigen Tagen noch viel Kritik einbrachte, klingt auch bei vielen Verteidigern Wedels durch: "Es gibt keinen einzigen Beweis".

Es gibt aber mehr als genug Evidenz. Dass es zu Konsequenzen kommen wird, steht deshalb bereits jetzt fest. Denn mehr und mehr dringt ins Bewusstsein der Filmschaffenden, dass der "Fall Wedel" kein bedauerlicher Einzelfall ist, sondern dass ihre Strukturen überhaupt Machtmissbrauch physischer, psychischer und sexueller Art begünstigt haben. Wenn Sender und Filmproduktionen nun an die Aufarbeitung gehen und Präventionsverordnungen nicht nur etablieren, sondern auch wirksamer Kontrolle unterziehen, gehen sie in ihrem ansonsten nicht vergleichbaren Umfeld einen ähnlichen Schritt wie die katholische Kirche es getan hat. Die katholische Kirche mit ihrer sehr schmerzlichen Erfahrung von strukturell begünstigtem Missbrauch kann aber eine ihr eigene Botschaft auch in säkulare Strukturen hinein vermitteln: Dass den Betroffenen selbst am meisten das hilft, was auch die Seele zu heilen vermag: Das aufrichtige Eingeständnis, die tätige Konsequenz und die Bitte um Verzeihung seitens derer, die sie einst im Stich gelassen haben.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.