Schachfigur
Ulrich Waschki über das Programm der Großveranstaltung in Münster

Der Katholikentag macht sich selbst Konkurrenz

Ulrich Waschki über das Programm der Großveranstaltung in Münster

Von Ulrich Waschki |  Bonn - 04.05.2018

In weniger als einer Woche startet in Münster der Katholikentag. Schon jetzt haben sich mehr Menschen angemeldet als bei früheren Katholikentagen. Und sicher wird die Zeit in Münster zu einem fröhlichen und intensiven Treffen der katholischen Szene im Land. Allein die Gottesdienste lohnen die Anreise – stimmungsvoll, liturgisch und musikalisch sorgfältig inszeniert, mit tiefen spirituellen Gedanken und Impulsen. Eine geistliche und intellektuelle Tankstelle abseits vom oft ernüchternden Alltag in der Pfarrgemeinde. „Suche Frieden“ – das Leitwort passt perfekt in die Stadt des Westfälischen Friedens und in unsere unruhige Zeit, in der der globale, aber auch innerdeutsche gesellschaftliche Friede so oft bedroht ist.

Aber: Der Blick ins Programmheft überfordert. So viele Veranstaltungen sind wieder zusammengekommen. So viele prominente Politiker folgen der Einladung zum Christentreffen. Nach dem letzten Katholikentag in Leipzig, als Hallen mit hochkarätigen Berliner Gästen oft erschreckend leer waren, hatte man den Eindruck, dass die Verantwortlichen selbstkritisch über die Veranstaltungsformate nachdachten. Geändert hat sich offenbar nichts. Nun ist Münster nicht Leipzig. Leere Hallen sind nicht zu befürchten. Aber schade ist, dass der Katholikentag sich selbst Konkurrenz macht, wenn alle Veranstaltungen irgendwie gleich wichtig sind, wenn der klare Fokus fehlt, wenn zur Friedenssuche auch ein binnenkirchliches Thema wie der "Frieden in der Großpfarrei" gemacht wird. Ein Thema, das sicher wichtig ist, aber außerhalb der Kirche niemanden interessiert. So läuft der Katholikentag Gefahr, die Chance zu verpassen, eine klare Botschaft in die Gesellschaft zu senden.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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