Schachfigur
Alexander Görlach über den Medien-Papst Franziskus

Der katholische Dalai Lama

Alexander Görlach über den Medien-Papst Franziskus

Von Alexander Görlach |  Bonn - 28.09.2015

Die Amerikareise von Papst Franziskus hat einmal mehr gezeigt: das Papsttum nimmt in einer globalen und medialen Welt eine Schlüsselfunktion ein. Sei es bei diplomatischen Bemühungen zwischen Kuba und den USA, sei es bei moralischen Fragen wie dem Klimawandel und der Verteilung von Reichtum.

Die Päpste wurden, erstaunlicherweise, zu Advokaten der universellen Menschenrechte, von denen, wie wir wissen, viele gegen die Autorität des kirchlichen Lehramts errungen werden mussten. Die offizielle Versöhnung mit der Moderne kam für die katholische Kirche erst spät mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der sechziger Jahre, also zu einer Zeit, in der die Moderne schon einige hundert Jahre alt war.

In dem halben Jahrhundert, das seitdem vergangen ist,  ist der Papst auf der internationalen Bühne nicht mehr wegzudenken. Beim Requiem für Papst Johannes Paul II. waren Staats- und Regierungschef von unzähligen Ländern zu sehen. Vertreter Israels und des Iran mögen sich dort zum ersten Mal seit langem begegnet sein.

Franziskus tritt in die Fußstapfen des polnischen Papstes. Sein Auftritt in den USA wurde gefeiert, seine klaren Worte gelobt. Beim Thema Klimawandel bekommt die politische Rechte zwar Schnappatmung; ihre Kommentatoren wurden deshalb nicht müde, den Papst zu kritisieren. Am Ende hat diese Kritik nicht die Berichterstattung bestimmt.

Beide, Johannes Paul und Franziskus, sind dabei nach außen kommunikativ und diskursiv, nach innen, zur eigenen Herde gewandt, konservative Zeitgenossen. Franziskus hat das Potenzial zu einem katholischen Dalai Lama zu werden; seine einfachen Worte, für den Hausgebrauch ohne akademische Zuspitzung, sind einfache Handreichungen für ein gelingendes Leben.

Ähnlich wie der Dalai Lama, dessen theologische Botschaft von Erdgeistern und einer, so wird immer wieder behauptet, gewissen Homophobie geprägt sein soll, reicht die weiße Soutane ebenso wie die Mönchskluft als Projektionsfläche. Das, was für das eigene Leben als brauchbar erachtet wird, wird übernommen, alles andere ausgeblendet.

Die nun kommende Familiensynode wird zeigen, ob die beiden Personen, der zur Welt gewandte und der nach innen sprechende Papst zusammen finden werden. Das wäre dann in der Tat ein einschneidender Unterschied im Vergleich zum Pontifikat Johannes Pauls II.

Zur Person

Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur des Debatten-Magazins "The European".

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