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Der Shitstorm gegen Erzbischof Koch: Ein abschreckendes Beispiel!

"Erzbischof Koch vergleicht Greta Thunberg mit Jesus" – so titelten am Wochenende inhaltlich falsch mehrere Webseiten und lösten damit einen Shitstorm gegen Berlins Erzbischof aus. Ein abschreckendes Beispiel für die kaputte Diskussionskultur im Internet, kommentiert Steffen Zimmermann.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 16.04.2019

Steffen Zimmermann katholisch.de

Es war wieder einmal ein abschreckendes Beispiel für die Macht und Verantwortung von Medien sowie die kaputte Diskussionskultur im Internet. Auf mehreren Webseiten konnte man am Wochenende die Überschrift "Erzbischof Koch vergleicht Greta Thunberg mit Jesus" lesen. Es dauerte nicht lange, ehe deswegen in den Kommentarspalten ein Shitstorm gegen den Berliner Erzbischof Heiner Koch losbrach: "Der gehört therapiert. Wegen Visionen und Wahnvorstellungen" oder "Darauf hab ich gewartet. Ich glaub ich spinne. Der Klerus und die Kirche führt sich immer weiter ad absurdum", hieß es.

Das Problem: So, wie es von den Medien und den Kommentatoren suggeriert wurde, hatte Koch sich gar nicht geäußert – ganz im Gegenteil. Zwar hatte der Erzbischof am Samstag im Sender rbb 88,8 wertschätzend über die von Schülern getragene Umweltbewegung "Fridays for Future" gesprochen und Parallelen zum Palmsonntag gezogen ("Mich erinnern die Freitagsdemos ein wenig an die biblische Szene vom Einzug Jesu in Jerusalem").

Wenige Sätze später betonte er jedoch, dass es ihm nicht darum gehe, "die jugendliche Klimaschützerin Greta aus Schweden zu einem weiblichen Messias zu machen, indem ich sie mit Jesus von Nazareth vergleiche". Er wolle aber daran erinnern, dass es von Zeit zu Zeit echte Propheten brauche, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinwiesen – "auch wenn diese nicht auf ungeteilte Zustimmung aller stoßen".

Koch hatte also keineswegs Greta Thunberg mit Jesus verglichen und er hatte auch keine Absolution für die umstrittene Tatsache erteilt, dass die "Fridays for Future"-Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden. Das aber ging in der Empörung derer unter, die ohnehin nur Headlines lesen und alles ausblenden, was nicht in ihr allzu enges Weltbild passt.

Hetzer und Pöbler zerstören regelmäßig die Debattenkultur im Netz – das gilt leider auch für das kirchliche Milieu. Es gibt am äußersten Rand der Kirche eine kleine, aber laute Minderheit, die jede Gelegenheit nutzt, um die aus ihrer Sicht vom Zeitgeist zerfressene Amtskirche und ihre obersten Repräsentanten aggressiv anzugehen. Mit der Wahrheit nimmt es dieses Milieu nicht so genau – Hauptsache das Feindbild kann gepflegt werden.

Man kann dieses Phänomen nur ablehnen. Zugleich muss man immer aber wieder versuchen, sachlich und auf der Basis von Fakten gegen "Fake News" und Hetze vorzugehen – in der Hoffnung, manche Pöbler vielleicht doch zum Nachdenken und zur Umkehr zu bewegen.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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