Schachfigur
Gudrun Sailer über die Partei beim Katholikentag

Die AfD auszugrenzen hilft keinem

Gudrun Sailer über die Partei beim Katholikentag

Von Gudrun Sailer |  Bonn - 15.02.2018

redakteurin gudrun sailer

Zum ersten Mal wird beim kommenden deutschen Katholikentag ein Politiker der AfD teilnehmen. Das ist eine gute Nachricht, auch wenn die AfD mit zum Teil schreiend unchristlichen Positionen wirbt. Doch ist mit Ausgrenzen niemandem gedient außer der Partei selbst, die sich ohnehin mit Märtyrer-Nimbus am wohlsten fühlt.

Dass hingegen mit dem Instrument des Redens und Begegnens einiges zu gewinnen ist, lässt sich im Vatikan erkennen. Papst Franziskus trifft jeden Staats- und Regierungschef, der darum bittet, selbst wenn er gerade Bomben wirft wie der türkische Präsident Erdogan, den Franziskus vor zehn Tagen im Vatikan empfing. Hat Erdogan seine Bomber aus Syrien zurückgerufen? Nein. Und riskiert der Papst, sich mit einer solchen fast bedingungslosen Audienzpolitik instrumentalisieren zu lassen? Ja. Doch er geht das Risiko eben ein. So wie seinerzeit die Päpste riskierten, sich wegen Begegnungen mit Fidel Castro instrumentalisieren zu lassen. 2014 trug das Früchte. Da hörte dank geduldiger päpstlicher Diplomatie der kalte Krieg zwischen den USA und Kuba auf. Wenn aus Pjöngjang Diktator Kim im Vatikan anriefe und den Papst zu sprechen verlangte: Franziskus würde rangehen.

Nun ist die AfD nicht Nordkorea. Millionen Deutsche haben aus freien Stücken diese Partei gewählt, vielfach aus Angst um die Zukunft ihrer Kinder und ihres Landes. Ihre Angst wird bestimmt nicht kleiner, höchstens wütender und noch unzugänglicher, wenn sie die Vertreter ihrer Partei von bestimmten öffentlichen Foren ausgegrenzt sehen. Und die Katholikentags-Besucher (von denen der eine oder die andere vielleicht sogar selbst AfD gewählt hat) haben die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu verschaffen von dem, was der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Volker Münz, in Münster verbreiten wird.

Zur Demokratie gehören das Aushalten der Meinungen anderer und das Dagegenhalten der eigenen Meinung im Wort. Reden ist in zivilisierten Staaten der einzige Weg, Konflikte nicht in Gewalt entarten zu lassen. Man kann auf die zivilisierende Wirkung des Wortes leider nicht immer vertrauen. Aber der Versuch ist es wert.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatikan News".

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