Schachfigur
Thomas Jansen über die Vorsynode in Rom

Die Kirche ist keine Greisen-Herrschaft

Thomas Jansen über die Vorsynode in Rom

Von Thomas Jansen |  Bonn - 20.03.2018

Kritiker verspotten den Vatikan und die katholische Kirche gerne als Greisen-Herrschaft. Sie tun so, als ob hier Rollator-Fahrer mit Kardinalshut an Olympia-Schreibmaschinen von den goldenen Fünfzigern träumen.  Diese Kritiker sollten jetzt mal ganz genau hinschauen, was in Rom passiert: Der Papst hat am Montag rund 300 Jugendliche zwischen 16 und 29 Jahren aus aller Welt begrüßt, die darüber debattieren, wie sie sich Kirche wünschen und welche Themen die Weltbischofsynode über Jugendliche im Oktober behandeln soll.

Erinnern Sie sich an irgendeinen Parteitag in Deutschland, der sich ausschließlich mit Jugendlichen und ihren Sorgen, Hoffnungen und Wünschen beschäftigt hat und dazu noch maßgeblich von Jugendlichen vorbereitet wurde? Überhaupt: Welcher Sport-, Kultur- oder Sozialverband hat Heranwachsenden zuletzt so viel Aufmerksamkeit gewidmet wie nun die katholische Kirche?

Dass Jugendliche bei der Weltbischofssynode im Oktober selbst nicht stimmberechtigt sind, scheint zunächst das Klischee von der Greisen-Herrschaft zu unterstützen. Doch die Forderung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die Hälfte der stimmberechtigten Teilnehmer sollten Jugendliche sein, ist -so verständlich sie auch ist- realitätsblind. Denn man sollte die Kirche im Dorf lassen: Wie viele Mitglieder im Jugendausschuss des Deutschen Bundestages sind denn zwischen 16 und 29 Jahre alt?

Bei einem Papst, der die Teilnehmer der sogenannten Vorsynode am Montag im Vatikan aufforderte "aus der Logik des 'so haben wir es immer gemacht' herauszukommen", darf man zudem wohl auch so Einiges von der Bischofsversammlung im Herbst erwarten.

Manche Katholiken, die auf kirchliche Reformen hoffen, waren enttäuscht darüber, dass Franziskus Jugendliche zum Thema der Weltbischofssynode gemacht hat und nicht etwa das Priesterbild. Dann hätte man den Zölibat debattieren können, "Jugendliche" hingegen erscheinen diesen Katholiken als Wischi-Waschi-Thema. Aber könnte es nicht sein, dass eine Synode, die sich anhört, was Jugendliche zu sagen haben, nicht vielmehr Bewegung in die Kirche bringen kann, als alle Bischofsversammlungen zu Zölibat & Co.?

Von Thomas Jansen

Der Autor

Thomas Jansen ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

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