Schachfigur
Monika Metternich über die Predigt bei der "Royal Wedding"

Diese Hochzeitspredigt hat eingeschlagen

Monika Metternich über die Predigt bei der "Royal Wedding"

Von Monika Metternich |  Bonn - 22.05.2018

Sehr häufig kommt es wohl nicht vor, dass eine Hochzeitspredigt noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, als das Hochzeitskleid der Braut – zumal bei einer königlichen Trauung. Am Tag vor Pfingsten gelang es jedoch dem Bischof der episkopalen Kirche von Chicago, Michael Curry, Millionen Zuhörer mit seiner Predigt zu begeistern. Selbst der "Spiegel" beschrieb sie als "dermaßen mitreißend", dass sie einen Höhepunkt der Hochzeit des englischen Prinzen Harry mit der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle darstellte. Die "Süddeutsche" staunte, der Prediger habe dem royalen Brautpaar "die Show gestohlen", die "Zeit" konstatierte einen "unerwarteten Akzent" und das US-Magazin "Vanity fair" befand, Curry habe den besten Moment des Traugottesdienstes geliefert. In den sozialen Netzwerken wurde der leidenschaftlich predigende Bischof von tausenden Nutzern gefeiert.

Ausgehend von dem vor ihm sitzenden Brautpaar hatte der Bischof ein starkes Bild von der Liebe gezeichnet, die nicht sentimentalisiert, sondern in ihrer ganzen Kraft und Wucht als Motor und Urkraft von Universum und Welt erkannt werden müsse. Das Christentum sei in der bedingungslosen Liebe Gottes für die Welt begründet und befähige Menschen dazu, diese Liebe zu leben und dabei nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch die ganze Welt zu verändern. In einer pfingstlichen Wendung brachte Curry das Feuer ins Spiel, dessen kontrollierter Gebrauch eine atemberaubende Entwicklung nach sich gezogen habe und sowohl materiell als auch geistig dazu beitrage, die Menschen untereinander zu verbinden – bis hin zu den sozialen Netzwerken.

Als Kronzeugen zitierte er dazu den in der katholischen Kirche nicht unumstrittenen Jesuiten und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin. Die Verbindung von "Feuer" und "Liebe" anlässlich einer Hochzeit hätte Pfingsten nicht anschaulicher einläuten können. Die etwas hilflos anmutenden Erklärungsversuche dafür, dass diese Predigt weltweit derart eingeschlagen hat ("afroamerikanisch", "emotional", "politisch") greifen zu kurz. Was sie für viele so aufrüttelnd machte, war ihr Verkündungscharakter, der den christlichen Glauben im Wortsinne begeisternd, zukunftsweisend und in höchstem Maße erstrebenswert darstellte. Es geht also doch.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

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