Schachfigur
Gabriele Höfling über neue Glaubensformate

Einfach mal einen Gang runter schalten

Gabriele Höfling über neue Glaubensformate

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 10.01.2018

Gerade ist in Augsburg die "Mehr"-Konferenz zu Ende gegangen: Lobpreis vormittags und nachmittags, vier Tage am Stück. In Windschatten der Konferenz haben sechs Katholiken ihre Thesen zur Rettung der Kirche vorgestellt, die im Wesentlichen auf Mission und Gebet setzen. Und neuere Jugendformate wie Nightfever bieten Gebet, Beichte und Anbetung.

Es gäbe noch mehr Beispiele für solche Bewegungen, die vermehrt auf Frömmigkeit setzen — und vielleicht sieht der ein oder andere Initiator darin die bessere Antwort auf die Probleme der Kirche, als es trockene Strukturreformen sein können. Das wäre jedoch ein Fehlschluss.

Schon ein Blick auf die Besuchszahlen zeigt, dass die Wirkung einmaliger Events wie der "Mehr"-Konferenz doch begrenzt ist: Die hatte dieses Jahr über 11.000 Gäste — ein Erfolg. Aber laut einer Umfrage von 2015 erreicht die ganz normale kirchliche Jugendarbeit pro Jahr allein in Bayern 600.000 Jugendliche – auch nicht schlecht, oder?

Hinzu kommt ein weiteres Argument: Von den genannten Angeboten werden eben nur die Leute angesprochen, mit einer solchen Frömmigkeit auch etwas anfangen können. Andere bleiben auf der Strecke. Nicht für jeden sind Lobpreis und Eucharistische Anbetung der richtige Weg. Und bisweilen machen "Mehr" und Co schon den Eindruck, dass sie mit ihrer eigenen Spiritualität recht dick auftragen, sich selbst für ihr enge Gottesbeziehung auch nach außen deutlich sichtbar feiern. Das wirkt auf den einen oder anderen vielleicht befremdlich. Gebet kann schließlich auch im Stillen passieren, ohne großen Hype. BDKJ, Pfadfinder und Ferienfreizeiten, denen aus bestimmten Kreisen gern ein mangelnder Glaubensgehalt unterstellt wird, sind vielleicht nicht ganz so aufgeladen – leben den Glauben dafür aber verstärkt in einer sozialen Dimension.  

Ein solcher eher konservativer Kurs, so formulierte es einmal der Religionssoziologe Detlef Pollack, könne zwar eine Minderheit enger an die Kirche binden. Eine große Mehrheit werde allerdings abgeschreckt. Deswegen: Es ist gut, dass es in der Kirche auch Formen gibt, die vor allem auf Gebet setzen  – ein Allheilmittel sind sie keineswegs. Und einfach mal einen Gang runter zu schalten, täte dem einen oder anderen vielleicht ganz gut.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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