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Standpunkt

Ermöglichungsräume statt Hirten im Bistum Trier

Die Strukturreform in der Diözese muss vertagt werden, fordert Monika Metternich. Wer 887 Gemeinden zu gerade einmal 35 Mega-Pfarreien zusammenschrumpfe, der mache Priestern die Seelsorge unmöglich.

Von Monika Metternich |  Bonn - 13.12.2018

Die kirchlichen Verlautbarungen zur umstrittenen und von Protesten begleiteten Trierer Bistumsreform klingen derzeit wie die einer Strategieberatungsgesellschaft: Da ist von Teilprozessgruppen die Rede, von Raumgliederung, Multiprofessionalität und Ermöglichungsräumen. Die praktische Umsetzung dieser Begriffe erschreckt viele Katholiken im Bistum Trier: Alle 172 Pfarreiengemeinschaften mit 887 Gemeinden sollen Anfang 2020 aufgelöst und durch 35 Mega-Pfarreien mit bis zu 76.768 Katholiken ersetzt werden, die jeweils von Leitungsteams aus einem Pfarrer und zwei hauptamtlichen Laien geführt werden.

Ein weder repräsentatives noch gewähltes synodales Gremium von 0,02 Prozent der 1,4 Millionen Katholiken hat dem Bistum Trier einen totalen Perspektivwechsel verordnet, den es nach den Worten seines Generalvikars von Plettenberg "in dieser Radikalität noch in keinem anderen Bistum gegeben" hat. Gewählte Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte müssen gehen. Was aus den nicht mehr benötigten Kirchen- und Gemeindebauten der Gemeinden wird, steht noch in den Sternen. Die Devise heißt nun "Nähe finden in der Weite", "heraus gerufen", und "Orte von Kirche". Die blumigen Sprachgewinde umkränzen die "Entlastung" der Priester von Leitung. Statt nur ihre überbordenden Verwaltungsaufgaben zu delegieren, um ihnen Leitung im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils und Seelsorge für die Gläubigen zu ermöglichen, werden Triers 259 Priester, die nicht als Mit-Leiter der 35 Großpfarreien eingesetzt sind, wohl künftig mobil und flexibel wie Handelsvertreter für Sakramentenbedarf durch die bis zu 951 Quadratkilometer umfassenden Riesenpfarreien hetzen unter der Maßgabe "er kennt nicht die Seinen, und die Seinen kennen ihn nicht".

Das widerspricht dem Jesuswort vom guten Hirten diametral und dürfte neue Berufungen gar nicht erst aufkommen lassen. Dafür sollen Aktionen wie Kunstinstallationen, Kita- und Handyprojekte als "Orte von Kirche" mit vorbereitender Qualifizierung durch multiprofessionelle Hauptamtliche den sakramentalen Dienst von Leitung ersetzen nach dem Motto: "Wo zwei oder drei irgendwie versammelt sind, ist Kirche". Quo vadis, Kirche von Trier? Mein Standpunkt: Diese "Reform" sollte vertagt und im Sinne des Herrn der Kirche noch einmal grundlegend überdacht werden.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

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