Schachfigur
Björn Odendahl über die neuen Beerdigungsregeln des Vatikan

Freiheit für die Toten

Björn Odendahl über die neuen Beerdigungsregeln des Vatikan

Von Björn Odendahl |  Bonn - 27.10.2016

Der Titel geht alles andere als leicht von der Zunge: "Ad resurgendum cum Christo". Zusammenfassen lässt sich der neue Erlass der Glaubenskongregation, in dem es um Regularien für die Beerdigung geht, so: Erdbestattung sehr gut, Feuerbestattung ausreichend, Verstreuen der Asche auf dem Feld oder im Meer ungenügend. Mit Letzterem ist man als Katholik ausdrücklich durchgefallen.

Das Dokument zeigt mit Hilfe von Schrift und Tradition auf, warum die Beerdigung im Sarg in den Augen der Kirche die bessere Alternative ist. So ist das Grab für die Angehörigen ein Ort des Gebets und der Erinnerung an den Verstorbenen. Zudem soll das Erdbegräbnis des (unversehrten) Körpers die eigene leibliche sowie die Auferstehung Christi symbolisieren.

Doch auch wenn Symbolik und Gemeinschaft für die Kirche wichtig sind, bleibt die Freiheit des Einzelnen, wie so oft in der kirchlichen Tradition, auf der Strecke. Schließlich geht es um den letzten Willen des Verstorbenen statt – auch wenn es hart klingt – um die Trauerbewältigung der Hinterbliebenen. Darüber hinaus meint der Begriff der leiblichen Auferstehung ja gerade nicht den irdischen Leib in all seinen Molekülen, sondern die vollständige Person, die nach dem Tod jedoch einen vollkommen anderen, leidensunfähigen, vergeistigten Leib erhält.

Im Falle einer Feuerbestattung, die die Kongregation übrigens ausdrücklich erlaubt, gehört die Asche dem Dokument zufolge jedoch wenigstens in eine Urne und dann an einen "heiligen Ort". Gemeint ist damit eine Kirche oder ein Friedhof. Auch hier geht es vor allem um die christliche Gemeinschaft und darum, den Verstorbenen nicht dem Gebet zu entziehen. Aber reichen dafür nicht auch andere Erinnerungen, wenn es der Verstorbene so wollte? Fotos etwa? Und sind die von Gott geschaffenen, majestätischen Berge oder der weite Ozean nicht ebenso heilige Orte?

Anscheinend nicht. Während die Glaubenskongregation "hygienische, ökonomische oder soziale" Gründe erlaubt, also ein Urnenbegräbnis aus Kostengründen, warnt sie vor einer "pantheistischen, naturalistischen oder nihilistischen Färbung". Gemeint ist damit etwa die Seebestattung. Dabei könnte doch gerade dieses Bild ein tröstendes sein: Mit Wasser auf den Namen Christi getauft und schließlich dem Wasser zurückgegeben.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Redakteur bei katholisch.de.

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