Schachfigur
Gudrun Lux über Eltern in der Politik

Gebt Familien eine Chance!

Gudrun Lux über Eltern in der Politik

Von Gudrun Lux |  Bonn - 13.02.2017

Als gestern der Bundespräsident gewählt wurde, waren auch Kinder anwesend – Gott sei Dank! Einige der Wählerinnen und Wähler in der Bundesversammlung hatten kurzerhand ihren Nachwuchs mitgebracht und so auch dafür gesorgt, dass sichtbar wurde: Politikerinnen und Politiker sind ganz normale Menschen. Sie haben Familien, sie haben private Verpflichtungen.

Gerade für Eltern kleiner Kinder ist es oft kaum möglich, Familie, Beruf und politisches Engagement unter einen Hut zu kriegen. Nun sind die wenigsten Politikerinnen und Politiker Abgeordnete. Die meisten leisten politische Arbeit ehrenamtlich, etwa in den Parteigliederungen, vom Ortsverband bis zum Arbeitskreis, oder in kommunalen Mandaten. Wenn ein Kind kommt, bedeutet das oft, dass das politische Engagement zurückstecken muss. Manchmal legen frische Eltern ihre Ämter und Mandate nieder, weil sie sie nicht mehr in gewohntem Umfang ausfüllen können.

Nun wäre es Unfug zu sagen: Wer in der "Rush Hour" des Lebens ist, soll sich halt entscheiden, für Kind oder für Karriere, für Familie oder für Politik. Denn es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen politisch engagieren und in demokratische Prozesse einbringen. Wer Kinder hat, braucht dabei besondere Rücksicht.

Dazu gehört, dass es Feierabend und Wochenende gibt, dass zum Beispiel der Sonntag soweit wie möglich "politikfrei" ist oder dass es Kinderbetreuung bei politischen Veranstaltungen gibt. Dazu gehört auch, dass Eltern an Entscheidungsprozessen teilhaben können, dass Sitzungstermine und Zeiten entsprechend gelegt und auch Endzeiten vereinbart sind. Wie soll eine Mutter, ein Vater zuverlässig das eigene Kind von der Krippe abholen, wenn nicht einmal klar ist, wann eine Ausschusssitzung auch nur ungefähr endet?

Kinder und Familie sichtbar zu machen ist ein wichtiger Schritt. Denn der Anspruch, dass, wer Politik macht, rund um die Uhr verfügbar sein, online diskutieren, für die Presse erreichbar sein muss, ist absurd. Wer will, dass "normale Menschen" Politik gestalten, der muss denen, die Politik machen, auch die Chance geben, ein normales Leben zu führen.

Deshalb: Danke, dass Kinder da waren, als Frank-Walter Steinmeier gewählt wurde!

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin und Vorsitzende der Münchner Grünen. Sie ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.