Schachfigur
Uwe Bork über bedingungsloses Grundeinkommen

Geld für alle?

Uwe Bork über bedingungsloses Grundeinkommen

Von Uwe Bork |  Bonn - 03.06.2016

Ausgerechnet die Schweizer! Dieses Volk, dessen revolutionäres Potential mit Tells Apfelschuss weitestgehend erschöpft zu sein schien, stimmt am kommenden Wochenende über eine Idee ab, die das Land der dreieckigen Schokoladenriegel per Urnengang auch zu einer Art Schlaraffenland machen könnte. Müsste doch der Staat bei Annahme der "Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen" jedem Bürger ohne Ansehen der Person monatlich so viele Franken in sein Portemonnaie stecken, dass ihm – so der Text der Initiative - "ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben" möglich ist.

Auch in Deutschland wird die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens seit langem diskutiert. Eine klare Position zu diesem Thema zu beziehen fällt mir trotz der vor allem in den sozialen Netzwerken heftig geführten Debatte allerdings schwer, erschöpfen sich die Argumente der einen doch schnell in edler Sozialromantik, während die andere Seite nur zu häufig und ebenso undifferenziert behauptet, das Bestehende sei allein deswegen auch bereits das Beste.

Sozial engagierte Christen sehen sich in dieser unübersichtlichen Landschaft nicht weniger verloren als ihre religiös ungebundenen Mitbürger. Der Apostel Paulus, der ja nur allzu gern den großen Hammer schwingt, gibt ihnen mit seiner im 2. Thessalonicherbrief erhobenen Forderung "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!" zwar eine geradezu inhumane Richtung vor, EKD und Deutsche Bischofskonferenz scheinen in ihrem berühmten Sozialwort von 1997 von solchem bestenfalls historisch zu erklärenden Fundamentalismus jedoch nichts zu halten. Bei ihnen heißt es, die Gesellschaft könne dadurch humaner und zukunftsfähiger werden, "dass auch unabhängig von der Erwerbsarbeit die Chancen für einen gesicherten Lebensunterhalt, für soziale Kontakte und persönliche Entfaltung erhöht werden." Die Schweizer Initianten könnten hier fast abgekupfert haben.

Wem also folgen: dem alten Apostel oder seinen modernen Nachfahren? Vielleicht – so scheint es mir – hilft hier der Kritische Rationalismus weiter als jede noch so kritische Exegese. "Versuch und Irrtum" heißt seine Methode. 

Der Autor

Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks (SWR).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Uwe Bork