Schachfigur
Standpunkt

Gott will Taten sehen, nicht Lippenbekenntnisse!

Der Papst mahnt, Priester sollten sich vor Selbstzufriedenheit hüten. Aber durch die Beschwörung, der Missbrauch sei ein Werk des Teufels, werde dies verzerrt, kommentiert Werner Kleine.

Von Werner Kleine |  Bonn - 11.03.2019

Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

Wie eine quer über eine Vinylschallplatte gezogene Nadel steht der Aschermittwoch im Alltag. Viele Prediger sind gut geübt darin, die Menschen dann an ihre Sündhaftigkeit zu erinnern und sie angesichts zur Umkehr zu mahnen.

Die Aufdeckung des vielfältigen Missbrauchs durch sogenannte Würdenträger kratzt nun über die oberflächliche Harmonie des heiligen Scheins der Kirche. Der Schellack ist ab. Viele hilflose Beteuerungen hören sich da an wie Musik zur Trauer. Die Nadel springt, während man vor den Ohren der Welt versucht, den Missklang wortreich zu übertönen. Die vermag etwa im Zölibat schon lange kein Zeichen mehr für eine eschatologisch gelebte Realität der ungeteilten Nachfolge Jesu Christi zu sehen.

Kann es wirklich angehen, dass eine Kirche wiederverheirateten Geschiedenen, von denen es heißt, sie lebten in "irregulären Verhältnissen", von den Sakramenten ausschließt, während diejenigen, die das Zölibatsgelübde völliger sexueller Enthaltsamkeit brechen, weiter der Eucharistiefeier als allerheiligstem Sakrament vorstehen? Nicht der Zölibat an sich ist das Problem; es ist die zunehmend offenbar werdende Bigotterie, die sich in der Beteuerung der Heiligkeit der Kirche fortsetzt, die für die, die mit echtem Anstand immer noch zur Kirche stehen, vor den Augen der Welt nur mit viel Fremdscham zu ertragen ist.

Die Mahnungen des Papstes, Christen sollten nicht heucheln und Priester sollten sich vor Selbstzufriedenheit hüten, werden durch die Beschwörung, der Missbrauch sei ein Werk des Teufels, verzerrt. Nein, nicht der Teufel ist über Kinder und Ordensschwestern hergefallen, sondern Männer im Priesterkleid! Wer soll dem Umkehrruf noch Glauben schenken, wenn die so Rufenden sich de facto weigern, Verantwortung zu übernehmen und mit echter, tätiger Reue nicht mehr nur allgemein zu bekennen: Ich habe gesündigt, in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld ... Das Lippenbekenntnis aber allein reicht nicht. Gott will Taten sehen! Wer den Zölibat derart irregulär lebt, muss die Altäre der Welt meiden.

Von Werner Kleine

Der Autor

Dr. Werner Kleine ist Pastoralreferent im Erzbistum Köln und Initiator der Katholischen Citykirche Wuppertal.

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