Schachfigur
Jeremias Schröder über den Froschkönig der bayerischen Unionspartei

Größter Wahlverlierer ist die CSU

Jeremias Schröder über den Froschkönig in der Regierung

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 26.09.2017

Größter Verlierer dieser Bundestagswahl ist die CSU. Dort wird derzeit das Kriegsvokabular aktiviert, mit rechten Flanken und Kampfanzügen. Das FDP-Ergebnis legt allerdings nahe, dass bei der bayerischen Dauer-Regierungspartei auch zur Mitte hin viel abgebröselt ist. Einzelerfahrungen bestätigen das. Der überschwängliche Applaus, mit dem die Kanzlerin beim Würzburger Caritas-Empfang begrüßt wurde, während die Christ-Sozialen die Kanzlerin symbolträchtig vom Parteitag ausluden, ließ ahnen: Viele bayerische Katholiken schätzen eher ruhige Sachlichkeit als großen Bühnendonner.

Die CSU kann auch das. Zu ihrer Legislaturbilanz zählt ja nicht nur der Maut-Triumph. Im BMZ, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sind wichtige Themen der Zeit gelandet, unter anderem Klimawandel und Migrationsprävention. Minister Müller hat Politikansätze entwickelt, die über einen breiten Teil des politischen Spektrums und auch über Generationen hinweg anschlussfähig sind. Dass dabei auch eine christliche Prägung spürbar wird, die man so in anderen Ressorts nicht leicht erkennt, hat ihm nicht geschadet.

Bei den Jamaika-Verhandlungen werden demnächst etliche Kröten serviert werden, müssen, das liegt in der Natur der Sache. Einige lassen sich leichter schlucken, wenn man auf Ressentiment-gesteuerte Politik verzichten kann. Die CSU sollte ums BMZ kämpfen. Das ist von seinen Zuständigkeiten her ziemlich sicher vor den dumpferen Instinkten aus der Heimat. Und vielleicht findet sich dort auch der Froschkönig, den die Partei wohl demnächst brauchen wird.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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