Schachfigur
Standpunkt

Ökumene neu beginnen lassen

Die Bruderschaft von Taizé hat einen Dialog zwischen christlichen und muslimischen Jugendlichen angestoßen. Thomas Seiterich fragt sich, ob das ein Schritt in eine bessere Zukunft für die arabische Welt sein kann.

Von Thomas Seiterich |  Bonn - 15.04.2019

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift Publik-Forum.

Es ist etwas Seltsames mit den Kirchen: Während angesichts des Niedergangs in Deutschland weithin Dunkelgrau bis Trauerschwarz getragen wird vor lauter Frust und Entmutigung, beginnt im Nahen Osten ein neuer Frühling der Ökumene. Es ist nie vollends düster. Darüber freue ich mich. 

Anderthalb Jahre lang hat Frère Émile von der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé mit arabischen Jugendlichen in Beirut das erste große, religiöse Geschwisterlichkeits-Treffen im Libanon vorbereitet. Muslimische Jugendliche kamen letzten Sommer im Rahmen der Vorbereitung für einige Wochen nach Taizé, junge Christen – auch aus Deutschland – hospitierten bei den Muslimen.

Wie so häufig in der christlich-muslimischen Ökumene wurde Maria wurde zur Brücke: 2.000 junge Muslime und Christen aus zwölf arabischen Kirchen trafen sich am Fest der Verkündigung Mariens, das von beiden Religionen begangen wird, wenngleich mit unterschiedlicher theologischer Bedeutung.

Es war das erste freie und große Jugendtreffen im Nahen Osten seit der Niederschlagung des Arabischen Frühlings vor gut einem halben Jahrzehnt. Die Verabredung zu friedlichem Miteinander und Geschwisterlichkeit auf dem Weg in eine bessere Zukunft für die Jungen in der arabischen Welt war deutlich – und zugleich so vage, wie Texte, die im Gravitationsfeld  der Gemeinschaft von Taizé entstehen, es zumeist sind.     

Doch die befreiende und Vorurteils-überwindende Erfahrung, wie sie die jungen Christen und Muslime soeben in Beirut gemacht haben, "entspricht dem Geist des Brüderlichkeits-Dokuments, das Papst Franziskus und der oberste Repräsentant des sunnitischen Islams, der Scheich der Al-Azhar, Ahmed al -Tayyeb in Abu Dhabi jüngst verabschiedeten, sowie den aktuellen Stellungnahmen von Franziskus in Marokko", erklärt Souraya Bechealany, Theologin und Generalsekretärin des Middle East Council of Churches.

So weit, so erfreulich. Bleibt zu hoffen, dass aus den Begegnungen und Erklärungen ein Baustein für eine bessere Zukunft in der arabischen Welt wird.

Von Thomas Seiterich

Der Autor

Thomas Seiterich ist Redakteur der Zeitschrift "Publik-Forum".

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