Schachfigur
Pater Max Cappabianca über Ex-Kardinal McCarrick

Keine Vertuschung und keine Schonung mehr

Pater Max Cappabianca über Ex-Kardinal McCarrick

Von Pater Max Cappabianca |  Bonn - 30.07.2018

Der Rücktritt von Theodore McCarrick vom Kardinalsamt kann in seiner Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden. Noch vor Abschluss des kanonischen Prozesses nahm Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch an und verordnete ihm Hausarrest. Ein Rücktritt vom Kardinalsamt ist extrem selten: zuletzt geschah so etwas vor 90 Jahren!

Das Signal ist deutlich: Keine Vertuschung mehr, keine Schonung höhergestellter Kleriker, keine Angst vor "schlechter Presse". Für die Opfer von Missbrauch bedeutet dieser Schritt eine Ermutigung, dass ihnen – anders als früher – geglaubt wird.

So traurig diese Angelenheit nicht nur für die Kirche in den USA, sondern für die ganze Weltkirche ist, so wichtig ist er für die Opfer und für die ganze kirchliche Gemeinschaft. Für die Opfer, weil sie nun wissen, dass ihr erlittenes Unrecht gesühnt wird. Wiedergutmachen kann man es ja nicht: Umso wichtiger ist es, dass diese Verbrechen nicht folgenlos bleiben.

Für die Kirche ist der Rücktritt des Kardinals eine Chance, Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen. Nicht nur oberflächlich, weil nun klar ist, dass Fehlverhalten in der katholischen Kirche geahndet wird, sondern auch tiefgründiger: Die Sünde eines einzelnen Gliedes der Kirche schmerzt den ganzen Leib. Deshalb ist es für die Gesamtheit der Kirche wichtig, wenn Theodore McCarrick sich nun endlich seinem Fehlverhalten stellt, denn Schuld muss gesühnt werden. Nur so ist Heilung der Wunden möglich: für den Täter, für die Opfer und für die ganze kirchliche Gemeinschaft.

In dem Wort Sühne steckt dieselbe Wurzel wie Versöhnung. Jetzt davon zu sprechen ist verfrüht, vielleicht werden die Opfer ihm nie vergeben können! Aber wer sich nicht seiner Schuld stellt, so wie es jetzt Theodore McCarrick getan hat, verschließt jeglicher Versöhnung dauerhaft die Tür – nicht nur für sich, sondern auch für die Opfer und die ganze Kirche. Auch wenn der Rücktritt erst spät erfolgt ist: Er bleibt ein starkes Zeichen für den richtigen Umgang mit Schuld!

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

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