Schachfigur
Standpunkt

Lasst die mitwählen, um deren Zukunft es geht!

Viele junge Menschen sind politisch gut informiert und stark engagiert. Von den Wahlen sind sie aber ausgeschlossen. Das muss sich ändern, kommentiert Gudrun Lux.

Von Gudrun Lux |  Bonn - 18.03.2019

Ich konnte als Vierzehnjährige die Unterschiede zwischen dem Bundestags- und dem bayerischen Landtagswahlsystem erklären und ich wusste genau, was mich politisch besorgte – und auch, welche Parteien sich dieser Sorgen annehmen und für welche andere Themen wichtiger waren. Ich habe Bundestagsdebatten verfolgt und begonnen, mich politisch zu engagieren. Das ist fast ein viertel Jahrhundert her. Ich erinnere mich aber noch sehr gut daran, wie herablassend Erwachsene mich oft behandelt haben – und daran, dass ich mir vorgenommen habe, dass ich nicht so sein werde, wenn ich einmal "alt" bin.

Viele Jugendliche sind politisch gut informiert und engagiert. Nicht nur, aber auch in der Bewegung "Fridays for future", in der sie eine zentrale Forderung auf die Straße bringen: massive und wirksame Maßnahmen für den Klimaschutz – nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag, sondern sofort. Junge Menschen übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft und die Welt, in der wir leben – und in der sie, unsere Kinder und Kindeskinder leben werden. Die Bewahrung der Schöpfung ist ein wichtiger Auftrag Gottes an uns Menschen. Diese jungen Menschen kämpfen dafür, ob sie es nun aus christlicher Haltung heraus tun oder nicht.

Mitentscheiden aber dürfen sehr viele junge Menschen nicht, wenn es um das Herzstück unserer Staatsorganisation geht: demokratische Wahlen. Ich halte das für von Grund auf falsch, so wie ich jede Überheblichkeit älterer Menschen für falsch halte, die jungen Menschen die Urteilsfähigkeit absprechen. Unsere Kirche übrigens ist da erstaunlicherweise häufig weiter. So können in vielen Diözesen bereits Vierzehnjährige den Pfarrgemeinderat mitwählen, auch das Firmalter ist meist deutlich niedriger als die staatliche Volljährigkeit.

Wenn ich aber Menschen zutraue, eine Lebensentscheidung zu treffen wie das Bekenntnis zu einer Religion – wie komme ich dann dazu, ihnen die Fähigkeit zur Wahl abzusprechen? Zumal das Wesen demokratischer Wahlen ja ist, dass sie Macht auf Zeit vergeben, dass also eine einmal getroffene Entscheidung eben nicht irreversibel ist, sondern nach beispielsweise vier oder fünf Jahren eine neue Wahl getroffen werden kann.

Es ist willkürlich und absurd, 18 Jahre als Mindestalter für Wahlen (und damit faktisch ein durchschnittliches Erstwahlalter von 20 Jahren) festzulegen. Das mindeste ist, diese Grenze deutlich – zum Beispiel auf das Religionsmündigkeitsalter 14 – zu senken.

Von Gudrun Lux

Die Autorin

Gudrun Lux ist freie Journalistin und Vorsitzende der Münchner Grünen. Sie ist Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

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