Schachfigur
Sophia Kuby über die Mehr-Konferenz

Mal ehrlich …

Sophia Kuby über die Mehr-Konferenz

Von Sophia Kuby |  Bonn - 13.01.2017

Fragen wir uns nicht alle ab und zu, was die Sonntagspredigt eigentlich konkret mit meinem Leben zu tun hat? Wie oft ist mir das Evangelium, das in der Messe gelesen wird, Ratgeber für das, was ich gerade er- oder durchlebe? Wie oft verändert es meinen Blick, gibt mir eine neue Sichtweise oder eine vielleicht unerwartete Richtung für mein Handeln? Wie oft bekomme ich im kirchlichen Leben Antworten auf die existentiellen Sinnfragen meines Leben? Wie oft verlasse ich die Kirche als erneuerter Mensch?

Zum Glück gibt es solche Erlebnisse, wo einen plötzlich in einer ganz normalen Sonntagsmesse das Licht Gottes trifft. Man merkt es, wenn es passiert. Es lässt einen nicht unverändert, sondern bringt Frieden und Freude mit sich, auch wenn es dazu aufruft, seine Komfortzone zu verlassen, sein Leben im Kleinen oder im Großen zu verändern.

Wäre diese Erfahrung der Normalfall im kirchlichen Leben, wären die Kirchen weder leer noch überaltert. Der Durst ist da, bei jung vielleicht noch stärker als bei alt. Es ist ein Durst nach mehr. Mehr als dieses Leben, als unsere Konsum- und Spaßgesellschaft, mehr als unser nach Effizienz strebendes, aber oft sinnleeres Dasein zu bieten hat. Der Beweis? Unzählige Erneuerungsbewegungen jedweder Coleur in der Kirche, denen der Platz ausgeht, die wachsen, obwohl sie kein Geld haben, die anziehen, weil sie leben und lehren, dass das Evangelium kraftvoll und aktuell ist.

Als Exildeutsche im französischsprachigen Raum müsste ich blind und taub sein, würde ich diese Erneuerung nicht sehen. Deutschland hinkt da hinterher. Aber auch hierzulande tut sich einiges. Die Mehr-Konferenz des Gebetshauses Augsburg, die gerade stattgefunden hat, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür. Vor einigen Jahren begann sie als kleines get-together von 150 Menschen. Dieses Jahr waren es 10.000. Das Neue daran? Kraftvolle Verkündigung, die zeigt, dass der Heilige Geist nicht alt, sondern jung, das Evangelium brandaktuell ist. Ja noch mehr, dass es die einzig wirklich tragenden Antworten auf die innere Farb- und Geschmacklosigkeit unserer Wohlstandsgesellschaft bietet. "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit " (2. Kor 3,17). Freiheit, Gott auf neue Weise zu loben, Freiheit, das Evangelium furchtlos und ohne Abstriche zu verkündigen, Freiheit, Christen anderer Konfessionen neu zu begegnen. 

Von Sophia Kuby

Die Autorin

Sophia Kuby ist Direktorin des EU-Büros der internationalen Menschenrechtsorganisation ADF International.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.