Schachfigur
Stefan Orth über den offenen Brief der Priester aus dem Erzbistum Köln

Nöte der Priester – Nöte der Gemeinden

Stefan Orth über den offenen Brief der Priester aus dem Erzbistum Köln

Von Stefan Orth |  Bonn - 17.01.2017

Alte Reflexe? Elf Priester aus dem Erzbistum Köln, darunter mit Wolfgang Bretschneider und Willi Hoffsümmer auch durchaus prominente, haben Ende vergangener Woche anlässlich ihres Goldenen Priesterjubiläums eine Reihe kirchenkritischer Punkte vorgelegt. Sie reihen sich mit ihrem offenen Brief ein in die Folge jüngerer kirchenpolitisch motivierter Papiere wie dem Memorandum der Theologen, aber auch die Stellungnahmen der österreichischen Pfarrer-Initiative. Es ist durchaus bezeichnend, dass Kirchenkritik inzwischen gerade auch aus dem Kreis der Priester kommt.

Das Spektrum der Themen ist breit und es findet sich auch Selbstkritisches. Auf öffentliche Aufmerksamkeit ist der Brief vor allem mit dem Eingeständnis gestoßen, dass das zölibatäre Leben zunehmend weniger gelingt – was mit ein Grund für den Priestermangel heute ist. Die Zugangswege zum Priesteramt seien insgesamt zu öffnen.

Zu den Reaktionen auf das Schreiben gehören – durchaus erwartbar – auch jene, die in den Diagnosen wie den Therapievorschlägen nur Altbekanntes sehen. Die Tatsache, dass manche Forderungen nichts Neues sind, hängt allerdings auch damit zusammen, dass die Probleme die alten sind – und eben noch nicht gelöst. Zuletzt hatten die Regenten der Priesterseminare darauf aufmerksam gemacht, dass die Zahl der Neupriester in vielen Bistümern an der "Nulllinie" angekommen sei. Mit dem Zuschnitt von Seelsorgeeinheiten, pastoralen Räumen oder ähnlichem ist man allerdings bereits an den Schmerzgrenzen für ein gelingendes kirchliches Leben vor Ort angekommen.

Man fragt sich schon, was eigentlich passieren müsste, dass die Kirche hierzulande beherzter auf diese Entwicklung reagiert – um der Amtsträger, aber auch um der Gemeinden willen. Dazu gehört auch die Frage nach den Zugangsbedingungen zu den kirchlichen Ämtern. Kein Gegenargument ist dabei, dass zuletzt auch das Interesse an den anderen kirchlichen Berufen zurückgegangen ist. Auch das ist eine Reaktion auf die konkreten Rahmenbedingungen pastoraler Arbeit heute.

Dass Papst Franziskus angesichts der Forderung nach der Weihe von "viri probati" aufgeschlossener zu sein scheint als seine Vorgänger, ist da ein Hoffnungszeichen.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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