Schachfigur
Andrea Hoffmeier über rechte Gewalt

Nur Gedenken reicht nicht

Andrea Hoffmeier über rechte Gewalt

Von Andrea Hoffmeier |  Bonn - 01.09.2017

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

Die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen jährten sich in der letzten Woche zum 25. Mal. Zwischen dem 22. und 26. August 1992 beteiligten sich mehrere hundert rechtsextreme Randalierer und bis zu 3.000 applaudierende Zuschauer an den Ausschreitungen. Ein Wohnheim, in dem sich über 100 Personen vietnamesischer Herkunft befanden, wurde in Brand gesteckt. Der Tod der Männer, Frauen und Kinder wurde in Kauf genommen oder wahrscheinlicher, angestrebt.

Es waren schockierende Bilder, die damals über die Medienkanäle gingen, weil sie eine große Anzahl an Tätern und Opfern, brennende Häuser und einen schwachen Staat zeigten. Eher beiläufig kommen da die quartalsmäßigen Meldungen politisch rechtsmotivierter Gewalt daher. Aber 2016 wurden 18 versuchte Tötungsdelikte, 1.313 Körperverletzungen, 113 Brandstiftungen und 451 Nötigungen den Straftaten mit rechtsextremistisch motiviertem Hintergrund zugeordnet. Dass bei den hohen Angriffszahlen auf Personen einschl. der Brandanschläge auf bewohnte Unterkünfte nur ein Tötungsdelikt "erfolgreich" war, grenzt an ein Wunder.

Die Zahlen der ersten beiden Quartale lassen eine steigende Tendenz für 2017 vermuten und zeigen: Auch vor Kindern wird kein Halt gemacht. Rostock-Lichtenhagen einfach nur kurz zu gedenken und dann zur Tagesordnung zurückzukehren ist zu wenig, sondern wir müssen konstatieren, dass die menschenfeindlichen Taten aus dem rechten Spektrum stetig weitergingen und zunehmen, sobald sogenannte "Flüchtlingswellen" auf Deutschland zukommen.

Neben einer konsequenten rechtsstaatlichen Ahndung braucht es eine gesellschaftliche Wahrnehmung und Ächtung. Und für alle die, die mir reflexartig die linksextremistischen Straftaten entgegenhalten wollen: Ja, jede Tat, die Menschen an Leib und Leben bedroht ist zu verurteilen und jedes Opfer ist eines zu viel! Aber die Statistik sollte auch nicht ignoriert werden, die zeigt, dass die Zahl menschenfeindlicher Angriffe aus dem rechtsextremen Spektrum doppelt so hoch ist wie die aus dem linksextremen.

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

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