Schachfigur
Pater Klaus Mertes über einen vorrangigen Ort christlichen Glaubens

Ohne Schulen kann die Kirche abdanken

Pater Klaus Mertes über einen vorrangigen Ort christlichen Glaubens

Von Pater Klaus Mertes |  Bonn - 22.02.2018

pater klaus mertes

Als der heilige Ignatius einmal gefragt wurde, wie man der Kirche in Deutschland wieder auf die Beine helfen könnte, antwortete er mit einem Wort: "Kollegien". Übersetzt: "Schulen", oder auch: "Bildung". Das Problem, das die Kirche heute hat, kann man so zusammenfassen: Sie antwortet auf dieselbe Frage mit: "Gemeinden". Schulen sind im Ernstfall sekundär. Sie sind kostenintensiv und nicht leicht zu beackern. Für Hochämter eignen sie sich nicht. Alle gesellschaftlichen Probleme kommen dort vor, es gibt kein Entrinnen vor bohrenden Fragen und komplexen Konflikten. Früchte der Arbeit werden erst sehr spät sichtbar, manchmal nie.

Es steht mir nicht zu, aus der Entfernung des Südschwarzwalds über die Schul-Entscheidung der Bistumsleitung in Hamburg zu urteilen. Doch "Hamburg" wird in diesen Tagen und Wochen mehr und mehr zum Stichwort für ein Thema, das weit über die Grenzen der Erzdiözese in Hamburg hinausgeht, bis an den Bodensee. Die katholische Volksseele in der Hansestadt kocht ja nicht "nur" wegen der konkreten Schulschließungen. Sie kocht mindestens genau so sehr wegen Begründungsversuchen nach dem Motto: "Gemeinde geht auch ohne Schule", oder: "Schule ist kein vorrangiger Ort christlichen Glaubens." Solche Sätze gehen alle an.

Das Gegenteil stimmt nämlich: Katholische Schule ist ein vorrangiger Ort christlichen Glaubens, und Gemeinde geht nicht ohne Schule. Der Aufschrei in Hamburg ist genau dafür ein großes Zeichen. Ich bin dankbar dafür. In aller Stille haben die katholischen Schulen jahrzehntelang Glauben und Kirche in den Herzen von vielen Menschen verankert. Sie haben so missionarisch gewirkt wie keine andere kirchliche Institution. Sie haben den Gemeinden unzählbar viele engagierte Mitglieder beschert. Sie haben Menschen in die Gesellschaft hinein entlassen, die ihrer kirchlich-schulischen Prägung ein Leben lang dankbar sind. Alle sind nun tief getroffen und sammeln sich in Foren, Mahnwachen und Demonstrationen. Eine Lichterkette mit 21 Kerzen für die 21 katholischen Schulen in Hamburg geht durch die Republik. Ein katholischer Nerv ist getroffen, im ganzen Land. Gut, dass der Schmerz nicht wegbetäubt wird in resigniertem Schweigen!

Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor – so geht die Echternacher Springprozession. In Hamburg wurde ein Schritt zurück gemacht, er traf die Schulen. Doch der nächste Doppelschritt nach vorn steht an, und zwar in allen deutschen Diözesen. Meine Vision dafür lautet: Baut Schulen! Ohne Schulen kann die Kirche in Deutschland abdanken. Nur mit Schulen bleibt sie eine lebendige, missionarische Kirche.

Von Pater Klaus Mertes

Der Autor

Der Jesuit Klaus Mertes ist Direktor des katholischen Kolleg St. Blasien im Schwarzwald.

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