Schachfigur
Dorothea Sattler zur Pilgerreise ins Heilige Land

Ökumenisch Pilgern

Dorothea Sattler zur Pilgerreise ins Heilige Land

Von Dorothea Sattler |  Bonn - 25.10.2016

Am 22. Oktober 2016 endete eine besondere ökumenische Pilgerreise in das Heilige Land: An sieben Tagen waren hochrangige Delegationen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam auf den Spuren Jesu unterwegs - am See von Tiberias in Galiläa, in Bethlehem, in Palästina und in Jerusalem. Hohe Anerkennung hat dieser gemeinsame Beginn des Gedenkjahrs der Reformation weithin gefunden. Es gibt jedoch auch kritische Stimmen.

Aus meiner Sicht war die Entscheidung, die spirituelle Besinnung auf den Ursprung des christlichen Glaubens mit Orten zu verbinden, an denen Jesus lebte und wirkte, sehr gut begründet. Nicht in Wittenberg, nicht in Zürich oder Genf, auch nicht in Rom hat das Christentum seinen Ursprung. Diese gewiss offenkundige Einsicht mit einer Zeichenhandlung zu verbinden, hat höhere Bedeutung als eine bloße Rede vom Reformationsgedächtnis als einem Christusfest. Menschen in leitenden kirchlichen Ämtern sowie (leider nur auf evangelischer Seite) Vertreterinnen und Vertreter synodaler Gremien und von Laienorganisationen wie der Kirchentagsbewegung haben sich bewusst unter das Wort Gottes gestellt, miteinander meditiert, gebetet und gesprochen. Mehrfach standen Fußwege auf der Tagesordnung. Viel beschäftigte Persönlichkeiten haben sich Zeit für die geistliche Betrachtung des österlichen Evangeliums in geschwisterlicher Gesinnung genommen. Von dieser Zeichenhandlung kann ein ökumenischer Impuls ausgehen. In der Nähe von Jesus wird der Schmerz über die noch nicht gegebene eucharistische Mahlgemeinschaft in besonderer Weise zu spüren gewesen sein. Die Klage über die Opfer der Gewalt In der nationalsozialistischen Zeit und in den Kriegen heute trennt die Konfessionen nicht. Die Begegnungen mit Vertretern anderer Religionen ließen auf die Gemeinsamkeiten im christlichen Bekenntnis unter dem Vorzeichen der Religionsfreiheit aufmerksam werden.

Zu reisen, bildet – nicht nur in kognitiver Hinsicht. Mehrfach habe ich ökumenische Gruppen nach Rom, nach Genf und an die Wirkstätten von Martin Luther begleitet und dabei die Erfahrung gemacht, dass der ökumenische Austausch über konfessionelle Wahrnehmungen von Orten und Geschehnissen eine große Bereicherung ist. Vor Ort in Jerusalem habe ich wenige Wochen vor der Reise der Delegationen im Ökumenischen Studienjahr an der Dormition Abbey erleben können, von welch hoher Bedeutung es für die Studierenden ist, dort über Monate in ökumenischer Verbundenheit Tag für Tag das Leben zu gestalten. Möge der abschließende ökumenische Gottesdienst auf dem Berg Zion eine nachhaltige Erfahrung des Wirkens des Geistes Gottes in eschatologischer Hoffnung begründen!

Von Dorothea Sattler

Die Autorin

Dorothea Sattler ist Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Universität Münster.

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