Schachfigur
Tilmann Kleinjung über fünf Jahre Pontifex

Papst Franziskus. Mensch unter Menschen.

Tilmann Kleinjung über fünf Jahre Pontifex

Von Tilmann Kleinjung |  Bonn - 06.03.2018

Tilmann Kleinjung ist Redakteur beim Bayerischen Rundfunk in München

Vor fünf Jahren versammelten sich in Rom die Kardinäle, um die Wahl eines neuen Papstes vorzubereiten. Papst Benedikt war zurückgetreten, am 12. März 2013 sollte in der sixtinischen Kapelle das Konklave beginnen. Die Kardinäle hatten also eine Woche Zeit für "Sondierungsgespräche". In einer Versammlung hat der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio, eine offenbar beeindruckende Rede gehalten. Er sprach von einer "Kirche, die aus sich herausgehen muss", um nicht selbstbezogen und krank zu werden. Der nächste Papst müsse die Kirche an die "existentiellen Peripherien" führen. Der nächste Papst wurde eben jener Kardinal aus Argentinien.

Fünf Jahre im Amt sind ein guter Anlass, Bilanz zu ziehen. Franziskus hat tatsächlich seine Kirche an die geografischen Ränder und an die Grenzen der menschlichen Existenz geführt. Ob die Kirche ihm auf diesem Weg immer folgt, ist eine andere Frage.  Es gibt Widerstände gegen das Reformwerk des Papstes, gleichzeitig ist seine Popularität im Kirchenvolk ungebrochen. Denn Jorge Mario Bergoglio ist in diesem Amt etwas vermutlich Einzigartiges gelungen: Er ist Mensch geblieben.

Am Rande des Papstbesuches in Chile ereignete sich eine Szene, die bezeichnend ist für diesen Papst: Als Franziskus im Papamobil durch die Straßen fuhr, gab es einen kleinen Unfall. Eine Polizistin wurde von ihrem Pferd abgeworfen. Der Papst ließ das Auto anhalten, stieg aus und kümmerte sich mit anderen um die am Boden liegende Frau. Eine eigentlich selbstverständliche, menschliche Reaktion, allerdings nicht für einen Pontifex Maximus auf Staatsbesuch. Franziskus ist ein Mensch unter Menschen. Ein Mensch mitleidet, der mitlacht, der auch furchtbar zornig werden kann. Zum Beispiel, wenn sich wie bei seinem Besuch in Mexiko einer seiner Fans allzu rücksichtslos nach vorne schiebt. "Sei nicht so egoistisch", poltert er dann. Franziskus kennt die Schwächen, die Sorgen, die Versuchungen seiner Mitmenschen und er hat sie auch als Papst nicht vergessen.

Von Tilmann Kleinjung

Der Autor

Tilmann Kleinjung ist Redakteur beim Bayerischen Rundfunk in München.

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