Schachfigur
Christof Haverkamp über Reaktionen auf die Missbrauchsstudie

Pauschale Verteufelung wäre falsch

Christof Haverkamp über Reaktionen auf die Missbrauchsstudie

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 14.09.2018

Christof Haverkamp ist Chefredakteur einer Bistumszeitung.

Die vorzeitig veröffentlichte Missbrauchsstudie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz löst innerkirchlich neue Erschütterungen aus, und die Folgen für die katholische Kirche hierzulande sind noch nicht abzusehen. Zu erschreckend, zu hoch sind die Zahlen – und es wird klar: Es geht nicht allein um Einzelfälle, sondern um Systemversagen. Das zeigt sich auch in anderen Ländern, aktuell gerade im englischsprachigen Raum.

Es handelt sich um eine Kirchenkrise internationalen Ausmaßes. Daher ist es so richtig wie notwendig, dass Papst Franziskus für den Februar die Leiter der Bischofskonferenzen aus aller Welt zum Gespräch über den Missbrauch einberuft. Denn diese Bedrohung der Kirche von innen ist größer als eine Christenverfolgung von außen.

Entscheidend muss die Perspektive der Betroffenen sein, die Beachtung ihres Schicksals hinter den Statistiken. Wichtig sind zugleich vertrauensbildende Maßnahmen – vor allem im Interesse aller Priester, die voller Ideale angetreten sind, um das Evangelium zu verkünden. Nun müssen sie erleben, mit den Tätern in eine Schublade gesteckt zu werden.

Für die Kirchenleitung kommt es auch darauf an, die richtigen Konsequenzen zu ziehen, vor allem in der Kommunikation und im Umgang mit unreifer Sexualität. Wenn es dabei bleibt, Probleme nur hinter vorgehaltener Hand zu besprechen und ängstlich in eine Wagenburg-Mentalität zu verfallen, führt auch eine Studie nicht weiter. Eine falsche Konsequenz wäre eine pauschale Verteufelung von Homosexualität oder Zölibat.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist gefragt, wenn sie sich ab dem 24. September zur Herbst-Vollversammlung trifft. Nötig ist ein Umdenken, gut wäre eine Entschuldigung. Im Advent 2010 legte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode als erster deutscher Bischof ein öffentliches Schuldbekenntnis für Missbrauchsfälle in seinem Bistum ab. Es war eine einsame Entscheidung, und andere Bischöfe haben ihn später noch nicht einmal darauf angesprochen. Diesmal sollten die Reaktionen anders sein.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

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