Schachfigur
Dominik Blum über das Anforderungsprofil für Bischöfe

Peter oder Paul

Dominik Blum über das Anforderungsprofil für Bischöfe

Von Dominik Blum |  Bonn - 29.06.2016

Tom und Jerry können uns beibringen, wie man sich gepflegt verprügelt und dabei trotzdem alt wird. Von Welke und Kahn lässt sich lernen, warum eine Doppelsechs im europäischen Defensivfußball effektiver ist als eine hängende Neun. Merkel und Seehofer machen klar, wie zerstritten politische Geschwister sein können, ohne ernsthaft über eine Familienberatung nachzudenken.

Und Peter und Paul, was kann dieses Duo uns lehren? Ich meine, die Apostelfürsten sind immer noch Exempel dafür, welche Bischöfe wir in Deutschland brauchen. Fünf ihrer Stühle sind 2016/2017 zu besetzen: Aachen, Limburg und Mainz sind bereits vakant, in Hildesheim und Würzburg erreichen die Bischöfe Trelle und Hofmann 2017 die Altersgrenze.

Paulus, das wäre ein Bischofstyp für heute. Intelligent und hoch gebildet, diskutiert der Konvertit mit den Intellektuellen seiner Zeit. Weltgewandt und international vernetzt, kommuniziert er sprachlich anschlussfähig mit den religiösen Zentren seiner Zeit. Weitsichtig und integrierend bindet der Diasporakenner viele Menschen ein, die auf der Suche sind, und setzt Maßstäbe für ein missionarisches Kirchenverständnis.

Der handfeste Fischer Petrus, auch er ist ein exemplarischer Bischof. Sprachlich in seinen Reden nah bei den einfachen Leuten, bleibt er regional verwurzelt und heimatverbunden. Leidenschaftlich und aufbrausend ist er die Führungspersönlichkeit im Kreis der Apostel. Konservativ, aber kompromissfähig beweist Petrus, wie die Einheit auch in der Auseinandersetzung gewahrt werden kann.

Wenn Bischofsstühle besetzt werden müssen, suchen Domkapitel und Kirchenvolk häufig eine - verzeihen Sie den ungebührlichen Vergleich - eierlegende Wollmilchsau. Aber von einem Bischof zu verlangen, dass er alles kann und das ganze Meinungsspektrum repräsentiert, ist eine unmenschliche Erwartung. Auch wenn der Heiligenkalender beide Apostelfürsten an einem Tag feiert: In einer Person bitte nicht Peter und Paul, sondern Peter oder Paul.

Als Oberhirten brauchen wir profilierte Christen mit klarer Kante und scharfem Persönlichkeitsprofil, so oder so. Aber mit dem Vertrauen in die Synodalität der Kirche, die prinzipiell ergänzt, was dem Einzelnen fehlt. Und Männer, die wie Paulus um die eigene Schwäche oder wie Petrus um das eigene Versagen wissen und damit leben und glauben. Das wären Kandidaten für die anstehenden Bischofsernennungen ganz auf der Linie der apostolischen Sukzession.

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

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Von Dominik Blum