Schachfigur
Volker Resing über eine falsche Logik des Verdachts

Pilgern nach Sachsen!

Volker Resing über eine falsche Logik des Verdachts

Von Volker Resing |  Bonn - 30.08.2018

Eine Firmgruppe aus Berlin ist zum Ende der Sommerferien den Jakobsweg gepilgert – in Sachsen! Gestartet sind die Jugendlichen im Kloster Marienthal an der Neiße, der Weg ging auf der historischen Via Regia an der polnischen Grenze über Görlitz und das Kloster Mariastern in Panschwitz-Kuckau nach Kamenz zur dortigen katholische Kirchengemeinde Sankt Maria Magdalena. Die Jugendlichen haben die neue Äbtissin der Zisterzienserabtei kennengelernt, die sie über die katholische Enklave in der sorbischen Oberlausitz informiert hat, die nicht nur die Reformation, sondern auch den Kommunismus überdauert hat. In Kamenz haben sie mit Jugendlichen der Gemeinde geredet und gefeiert. Es gibt ein anderes Sachsen, das derzeit oft vergessen wird. Und es ist keineswegs schwer dieses Sachsen zu finden. Man muss nur hinreisen.

In Kamenz sitzt die NPD im Gemeinderat, die SPD fehlt hingegen. Es gibt in Sachsen bedenkliche Entwicklungen. Es ist angesichts der gesellschaftlichen Polarisierungen, die sich zuletzt auf den Straßen in Chemnitz gezeigt haben, keineswegs Gleichgültigkeit das richtige Rezept. Hans Vorländer der Direktors des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung an der Technischen Universität Dresden erklärt: "Eine Minderheit konnte sich in den vergangenen Jahrzehnten in einem rechtsextremen und rechtsextremistischen Milieu verfestigen, dem Politik und Gesellschaft viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben." Große Versäumnisse gebe es vor allem im Bereich der Jugendarbeit. "Bei der Betreuung von Jugendlichen, vor allen in Randgebieten wie Ostsachsen, haben lange Zeit die NPD oder rechtsextreme Kameradschaften dieses Feld bestellt." Auch im bürgerlichen und kirchlichen Milieu gebe es mitunter  klammheimliche und auch offene Unterstützung für Themen und Rhetoriken der Rechtspopulisten.

Doch es ist eben falsch hier mit der Logik des Verdachts zu operieren. Es darf gegenüber Sachsen – und sonst jemandem – keine Gesinnungsunterstellungen und Pauschalisierungen geben. Das nützt den Falschen. Es braucht vielmehr eine große Neugierde auf die unterschiedlichen Ecken und Kulturen in unserem Land. Allein was hilft ist Begegnung und Gespräch – und also: Reisen und Pilgerfahrten nach Sachsen.

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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