Schachfigur
Benjamin Leven über ein Gremium mit Problemen

Skandalfiguren im Kardinalsrat

Benjamin Leven über ein Gremium mit Problemen

Von Benjamin Leven |  Bonn - 11.06.2018

Benjamin Leven

Kurz nach dem Beginn seines Pontifikates gründete Papst Franziskus ein neues Gremium: den Kardinalsrat. Dieser sollte ihn bei der Kirchenleitung unterstützen und in Sachen Kurienreform beraten. Fünf Jahre danach sind wichtige Schritte getan – man denke nur an die vatikanischen Medien – abschlossen ist die Erneuerung der Kurie aber noch nicht. Inzwischen deutet sich an, dass der Fortgang der Arbeit auch dadurch behindert wird, dass immer mehr der neun Kardinäle in die öffentliche Kritik geraten und mit Skandalen zu kämpfen haben.

Den Anfang machte der Australier George Pell. Zunächst von Franziskus nach Rom gerufen, um wirtschaftlich und finanziell im Vatikan für Ordnung zu sorgen (wobei er auf starke Widerstände stieß), sah sich Pell bald Anschuldigungen ausgesetzt, Missbrauchsvorfälle vertuscht und möglicherweise auch selbst Übergriffe begangen zu haben. Demnächst muss er sich in einem australischen Gerichtsverfahren verantworten. Im Zuge der Missbrauchskrise in Chile steht inzwischen mit Kardinal Francisco Javier Errázuriz Ossa ein weiteres Mitglied des Rates in der Kritik. Auch er soll Missbrauchsfälle unter den Teppich gekehrt haben. Dem honduranischen Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga wiederum wurde vor einiger Zeit in der italienischen Presse vorgeworfen, dubiose Gelder erhalten und sich bei Investitionen verzockt zu haben – was dieser vehement zurückwies.

Wie geht es nun weiter? Pell nimmt bereits seit einem Jahr nicht mehr an den Sitzungen teil. Was aus dem Chilenen Errázuriz wird, ist offen. Wird der Papst die freigewordenen Plätze neu besetzen oder die Reform mit den verbliebenen Kardinälen zu Ende führen? So oder so: Die Zeit drängt.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der Herder Korrespondenz in Berlin und Rom.

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