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Standpunkt

So sieht die Firmkatechese der Zukunft aus!

In wohl jeder Pfarrei bereiten sich junge Menschen lange auf die Firmung vor – und nehmen danach kaum noch am Leben der Kirchengemeinde teil. Ein neues Konzept will das ändern und bietet die Firmung nach wenigen Stunden an. Das ist zukunftsweisend, findet Roland Müller.

Von Roland Müller |  Bonn - 12.06.2019

Roland Müller, katholisch.de

Nach nur wenigen Stunden Vorbereitung empfangen die Jugendlichen die Firmung, dann erkunden sie gemeinsam, was das Sakrament für ihr Leben bedeutet. Dieses neue Katechese-Konzept von Seelsorgern aus Nürnberg halte ich für zukunftsweisend. Es beeindruckt mich so sehr, da ich selbst seit vielen Jahren Katechet bin und Jugendliche auf dem Weg zur Firmung begleite. Wir fahren allerdings ein ganz anderes, traditionelles Konzept: einheitliche Gruppenstunden einmal pro Woche und verpflichtende Teilnahme an der Sonntagsmesse – insgesamt ein dreiviertel Jahr. Meine Erfahrung ist, dass die Jugendlichen zwar durchaus inhaltliche Impulse für ihren Glauben aus der Katechese mitnehmen und eigentlich gerne zu den Treffen kommen, sich aber mit dem Zwang zur Anwesenheit schwertun. Sie wollen nicht von der Kirche auf Kurs gebracht werden und entscheiden sich, wenn die Pflicht zur Teilnahme wegfällt, nur selten für ein aktives Leben in der Pfarrei.

Die Kirche hinterlässt durch das Führen von Anwesenheitslisten und das Verteilen von Fleißpunkten ein negatives Bild bei den jungen Leuten. Denn sie knüpft den Empfang des Sakraments daran, dass es sich die Jugendlichen durch die bloße Anwesenheit bei den Gruppenstunden gewissermaßen verdienen. Das merken auch die jungen Leute, denn kurz vor der Firmung würde keiner der Firmlinge in meiner Gruppe das Sakrament um ein Jahr verschieben. "Wir haben doch schon so viel Zeit in den Kurs investiert", sagen sie mir ganz offen.

Natürlich muss eine Vorbereitung auf das Sakrament stattfinden, denn die Jugendlichen sollen wissen, was sie im Firmgottesdienst feiern. Doch dazu reichen wenige Stunden. Die eigentlich wichtige Phase beginnt nach der Firmung, wenn es darum geht, das empfangene Geschenk sozusagen auszupacken. In klassischen Firmkonzepten wird dieser Zeit kaum Beachtung geschenkt. Beim Nürnberger Modell ist die Zeit nach der Firmung jedoch der Schwerpunkt. Den Gefirmten werden über sieben Monate hinweg ganz verschiedene, frei wählbare Angebote gemacht, ihr Leben aus dem Glauben zu vertiefen. So kann das Sakrament, das vielerorts ein Abschied von der Kirche ist, zum Neubeginn eines christlichen Lebens werden. Vielleicht ja auch bald über Nürnberg hinaus?!

Von Roland Müller

Der Autor

Roland Müller ist Redakteur bei katholisch.de

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