Schachfigur
Christof Haverkamp über die katholischen Medien

Totgesagte leben länger

Christof Haverkamp über die katholischen Medien

Von Christof Haverkamp |  Bonn - 09.09.2016

Der Titel ist leider sperrig, das Thema nicht – schon gar nicht in Zeiten, in denen Facebook-Nutzer anonym Hass-Kommentare absondern und Demonstranten "Lü-gen-pres-se" skandieren: Die katholische Kirche begeht am 11. September den "50. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel". Im Klartext – es geht um die Medien, auch um die christlichen, etwa die Internetportale oder die Bistumszeitungen. Diesen Mediensonntag können Pfarrgemeinden als lästige Pflichtübung abhandeln, doch damit würden sie ein Thema verschenken.

Oft genug werden Kirchenzeitungen klein-, ja fast totgeredet, auch innerkirchlich. Ansprechend gemacht, können diese Wochenblätter aber leisten, wozu noch so gute Bischöfliche Pressestellen, Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen nicht imstande sind, weil sie andere Rollen einnehmen: Orientierung geben, Vorurteile abbauen, lebendige Debatten anstoßen, ein Forum des von Papst Franziskus geforderten Dialogs sein. Zum Beispiel zur Zukunft der Kirche, zur Verständigung mit dem Islam, zu medizinethischen Fragen oder zur Gestaltung des Glaubenslebens.

Überall, wo Kirchenzeitungen betulich daherkommen, altmodisch aufgemacht und vorrangig als Publikationsorgan zur Verherrlichung des Ortsbischofs, da werden sie nur geringe Zukunftschancen haben. Handwerkliches Können ist zwingend notwendig, dazu ein modernes Layout und eine klare, direkte Sprache. Themen aus dem Alltag sind es, die Bistumszeitungen aufgreifen sollten.

Und sie müssen auch den Mut haben zu kritischer Berichterstattung über die Kirche. Da hilft ein toleranter Herausgeber, der seiner Redaktion viel journalistische Freiheit gewährt. Denn offene Diskussionen sind kein Luxus - so etwas erwarten die Leser, auch ältere. Und es ist ein Vorurteil zu meinen, sie ließen sich mit allzu leichter Kost abspeisen. Ergänzend ist für tagesaktuelle Beiträge und jüngere Leserschichten ein moderner Internetauftritt nötig.

Dann aber gilt: Totgesagte leben länger.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Christof Haverkamp