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Standpunkt

Vor dem Anti-Missbrauchsgipfel: Keine zu hohen Erwartungen!

Die Erwartungen an den Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan scheinen schier unerfüllbar zu sein. Dabei ist Missbrauchsprävention eine schwierige Angelegenheit, ruft Prälat Günter Assenmacher ins Gedächtnis – und ruft zu umsetzbaren Ergebnissen auf.

Von Günter Assenmacher |  Bonn - 19.02.2019

Auf historischen Bildern, die Hinrichtungen von Prominenten, Ketzern und Verbrechern zeigen, sind neben den Zuschauern oft Menschen zu sehen, die unbedingt auch noch etwas beitragen müssen, damit der Scheiterhaufen gut und lange brennt. So kommt es mir vor, wenn vor Beginn des vatikanischen Anti-Missbrauchsgipfels am Donnerstag die Erwartungen in der öffentlichen Debatte so hoch aufgetürmt werden, dass mir dessen Chancen schon von vornherein verbrannt scheinen.

Viele wiederholen mantrahaft, was schon längst und alles gesagt ist, aber eben noch nicht von allen. Ich möchte diesen "Standpunkt" nutzen, um gegen die terribles simplificateurs auf die abgewogenen Beiträge von Pater Hans Zollner aufmerksam zu machen, der als Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission einer der besten Kenner der komplexen Thematik sein dürfte. "So einfach ist das nicht", ist eine von ihm sehr oft wiederholte Einleitung zu einer differenzierten Sicht jener Themen, von denen der Papst einige nicht nur mit den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und anderen kirchlichen Oberen aus der ganzen Welt, sondern auch mit Betroffenen erörtern will.

Als Erstes betont Zollner die Notwendigkeit einer Stille, die Voraussetzung dafür ist, dass die Opfer wirklich Gehör finden und ernst genommen werden können. Auf diesem Fundament, so ist er überzeugt, wird die Entschlossenheit erwachsen, den Betroffenen Gerechtigkeit zu verschaffen und alles Mögliche zu tun, um weiteren Missbrauch zu verhindern. "Verbindlichkeit von Missbrauchsprävention und Missbrauchsaufarbeitung,… neue Standards für die Übernahme von Verantwortung, Rechenschaftspflicht für Bischöfe und Transparenz der Verfahren" sind nach seinen Darlegungen derzeit realistische Ziele. Die Worte, die dazu gesagt werden, müssen sich daran prüfen lassen, ob sie ernst gemeint sind und in die Tat umgesetzt werden. Daran wird sich entscheiden, ob die Kirche das Vertrauen, das sie weithin leider verloren hat, zurückgewinnen kann.

Von Günter Assenmacher

Der Autor

Prälat Günter Assenmacher ist Domkapitular in Köln und Offizial für die Bistümer Köln, Essen und Limburg.

Hinweis

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