Schachfigur
Standpunkt

Warten auf die Studie

Die ganze Aufmerksamkeit gilt derzeit der DBK-Studie. Dabei gibt es in Deutschland auch ein kirchenunabhängiges Bemühen um Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Warum ist das so wenig bekannt?, fragt Jeremias Schröder in seinem Kommentar.

Von Jeremias Schröder OSB |  Bonn - 17.09.2018

Am 12. September wurden die deutschen Ordensoberen und -oberinnen informiert, dass die Missbrauchsstudie am 25. September veröffentlicht wird. Den Inhalt kennen wir allerdings noch nicht, beziehungsweise nur das, was "Spiegel" und "Zeit" an den folgenden zwei Tagen berichtet haben. Das Leak war zwar bedauerlich, aber Jammern hat da keinen Sinn. Inzwischen haben die ersten Bischöfe sich betroffen und beschämt gezeigt. Mehr kann man derzeit kaum sagen, da es ja bislang nur diese Informationsfetzen gibt. Eine ernsthafte Beschäftigung setzt voraus, dass die ganze Studie vorliegt: Dienstag in einer Woche soll es soweit sein.

Wer inzwischen schon mal tiefer gehen will, kann stattdessen einen Blick auf die Internetseite der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs werfen, die von der Bundesregierung eingesetzt wurde. Die hat im Juni ein Hearing zu den Kirchen und ihrer Verantwortung durchgeführt. Auf der Seite aufarbeitungskommission.de kann man das nachhören und die Schlussfolgerungen lesen. Da geht es nicht nur um die Vorfälle, sondern auch darum, wie es den Opfern seither ergangen ist. Geschildert werden gelegentliche positive Erfahrungen und sehr viel institutioneller Widerstand, Kleinreden und Bezweifeln der Anschuldigungen, Demütigung und Neutraumatisierung der Opfer.

Mitnehmen kann man, dass es auch in Deutschland ein kirchenunabhängiges Bemühen um Aufarbeitung gibt. Man erfährt auch, dass die juristischen Fragen nur einen kleinen Teil der Thematik bilden. Schließlich lernt man dort auch, dass die düstere Missbrauchsgeschichte der Kirchen Teil eines breiteren Panoramas ist: die Kommission befasst sich unter anderem auch mit der DDR, mit Sekten, Heimen und mit den Familien. Schade, dass die Arbeit dieser Kommission vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit findet. Vielleicht müsste man öfter etwas leaken?

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.