Schachfigur
Hans-Joachim Höhn über Kirchenfinanzen und den Einsatz von Laien

Wenn durch Transparenz Inkompetenz offenbar wird

Hans-Joachim Höhn über Kirchenfinanzen und den Einsatz von Laien

Von Hans-Joachim Höhn |  Bonn - 21.02.2018

"Geld oder Leben!" – Die einst mit vorgehaltener Pistole formulierte Alternative hat längst ihre Ausschließlichkeit verloren. Aus dem "oder" wird immer häufiger ein Gleichheitszeichen. Zwar ist noch nicht das Leben für Geld zu haben, aber (fast) alles andere. Mit Geld kann man Existenzen gründen, das Leben versichern und Stiftungen gründen, die den Tod des Kapitalgebers überdauern.

Wer will es der Kirche verdenken, dass sie auch an profitable Kapitalanlagen denkt. Allerdings steht sie dabei unter besonderer Beobachtung. Ethisch prekäre Investments sind zu meiden. Wenn sie Geld ausgibt, soll sie sich damit "Freunde machen" (Lk 16,9) bei den Armen und Mittellosen.

Allerdings ist es mit einer entsprechenden Finanzaufsicht nicht gut bestellt. Kardinal Marx hat zu Beginn der Frühjahrsversammlung der deutschen Bischöfe beklagt, dass es noch immer an Transparenz im Umgang mit Kirchenvermögen fehlt. Man lernt aus kapitalen Fehlern der Vergangenheit – aber nicht schnell genug. Vor allem aber kommen immer wieder alte und neue Fehler ans Licht. Wo die angemahnte Transparenz endlich hergestellt ist, wird mancherorts ein bestürzendes Ausmaß an Inkompetenz offenbar. Vielleicht ist darin sogar ein Grund zu sehen, dass die Transparenzoffensive nur schleppend vorankommt. Wer befürchten muss, dass Kompetenzmängel aufgedeckt werden, hat an solchen Transparenzinitiativen kein Interesse.

In diesem Kontext wird aber auch ein prekäres Verständnis kirchlicher Leitungskompetenz deutlich. Aus der mit der Priesterweihe verliehenen "Leitungsvollmacht" auch eine entsprechende Befähigung zur Übernahme von Leitungsaufgaben abzuleiten, ist ein Kurzschluss. Wenn keine entsprechende Begabung vorliegt, kann diese fehlende Kompetenz auch durch das Weihesakrament nicht kompensiert werden. Dieser Einsicht verschließt sich der emeritierte Kurienkardinal Cordes. Er hält den Dienst der Verkündigung in Wort und Sakrament sowie der Leitung für funktional nicht trennbar. Damit setzt er der Beteiligung von kompetenten Laien an kirchlichen Leitungsaufgaben enge Grenzen. Sie mögen begabt sein, sind jedoch nicht in eine Leitungsfunktion berufbar. Aber auch hinter diesem Gedanken steht ein Kurzschluss. Wenn eine Begabung eine Gabe Gottes ist, dann ergibt sich daraus die Berufung, ihr zu entsprechen. Vielleicht ist zwischen Begabung und Berufung sogar ein Gleichheitszeichen zu setzen. Zumindest sollte man eine Kompetenzbegabung (auch bei der Priesterweihe) zum Berufungskriterium machen – und nicht umgekehrt.

Von Hans-Joachim Höhn

Der Autor

Dr. Hans-Joachim Höhn ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Köln.

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